FU-Wahl : Präsident mit Paket

Christiane Lemke oder Peter-André Alt: Wie offen ist die FU-Wahl noch? Und vor allem: Ist das Wahlverfahren überhaupt fair? Studierendenvertreter Mathias Bartelt übt heftige Kritik: „Es ist eine Farce.“

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Noch nie in ihrer über 60-jährigen Geschichte hatte die Freie Universität eine Präsidentin. Jetzt hat sie die Chance, eine zu wählen: In einer Marathonsitzung, die bis in den späten Abend andauerte, nominierte der Akademische Senat am Mittwoch vor einer Woche die Politikwissenschaftlerin Christiane Lemke von der Universität Hannover als Kandidatin. Sie tritt gegen den FU-Germanisten Peter-André Alt an.

Aber hat die FU überhaupt eine Wahl? Der Studierendenvertreter Mathias Bartelt übt heftige Kritik am Wahlverfahren: „Es ist eine Farce.“ Hätten die Studierenden nicht darum gekämpft, hätten die Seilschaften der Professoren nur einen einzigen Kandidaten aufgestellt, nämlich Alt, sagt Bartelt.

In der Tat ist es das erste Mal nach über zehn Jahren, dass der FU zwei Kandidaten zur Auswahl stehen. Denn in den Jahren 2003 und 2007 durfte der Erziehungswissenschaftler Dieter Lenzen jeweils allein kandidieren. Sein Vorgänger, der Mediziner Peter Gaehtgens, musste 1999 noch die Politologin Gesine Schwan ausstechen. Schwan hatte damals jedoch auch den Eindruck, die Wahl sei nicht wirklich offen gewesen, FU-Präsident Johann Wilhelm Gerlach habe Gaehtgens eingefädelt: „Es ist stillos, wenn Gerlach seinen eigenen Nachfolger bestimmen will“, erklärte sie.

Dass Dieter Lenzen seinen Kollegen Alt als seinen Nachfolger bestimmen will, ist zwar nicht zu erkennen. Wohl aber, dass die Gruppen bereits seit Monaten hinter den Kulissen Gespräche führen und eine „Paketlösung“ anstreben: Damit der Kandidat für die Mitglieder aller Gruppen wählbar ist, schlägt er seine Vizepräsidenten nicht nach Gutdünken vor, sondern die Gruppen handeln für ihn Vizepräsidenten aus. An der FU ist das seit dem Ende der Ordinarienuniversität 1969 so Brauch. Für den favorisierten Kandidaten besteht der Vorteil darin, dass das Risiko am Wahltag geringer wird. Und die Angehörigen der Gruppen haben den Eindruck, in die „Regierung“ eingebunden zu sein – was zum Frieden an der Uni beitragen kann.

An der FU wird das Wahlrisiko im Vorfeld minimiert

Für Alt (Mitglied der Hochschulgruppe „Vereinte Mitte“) ist als Erste Vizepräsidentin bereits die Pharmakologin Monika Schäfer-Korting nominiert worden (aufgestellt für die konservative Gruppe „Liberale Aktion). Erwartet wird, dass der linke „Dienstagskreis“ den Politologen Werner Väth aufstellt, der schon viele Jahre lang Vizepräsident war. Die „Vereinte Mitte“ könnte dann noch den Theologen Michael Bongardt aufstellen – falls es nicht auf eine Frau, etwa die Geographin Brigitta Schütt, hinausläuft.

Die Studierendenvertreterin Sarah Walz hat dieses Verfahren so geärgert, dass sie in der Senatssitzung am Mittwoch forderte, Schäfer-Korting kurzfristig noch einen Mitbewerber um das Amt des Ersten Vizepräsidenten zur Seite zu stellen, den FU-Informatiker Raúl Rojas. Rojas hatte sich eigentlich um die Nominierung für die Präsidentenkandidatur beworben, zog seine Bewerbung im Akademischen Senat aber zurück, wie in Teilen unserer Ausgabe vom 1. April bereits berichtet. Er habe in erster Linie darauf aufmerksam machen wollen, dass die FU mit dem von Seilschaften als Favorit in Stellung gebrachten Alt eine Art Hausberufung anstrebe, erklärte Rojas im Anschluss.

Wie offen ist das Rennen also noch? „Begrenzt offen“, sagt der Studierendenvertreter Bartelt. Es sei denkbar, dass Alt eine Mehrheit finde. Dann aber werde die FU nicht demokratischer werden als bislang. Denn eine neue Grundordnung mit gestärkten Gremien lehne Alt ab. Lemke hingegen habe den Eindruck vermittelt, sie stehe für „mehr Transparenz und Partizipation“.

Hajo Funke vom „Dienstagskreis“ hält Alt nach der Präsentation erst recht für den richtigen Präsidenten: „Er ist nicht nur integer, sondern kann auch integrieren.“ Aus der „Liberalen Aktion“ klingt das ähnlich. Alt sei der Richtige, selbst wenn man auch Lemke mit Interesse anhören werde. Im übrigen sei die FU anders als „einzelne Personen“ behaupteten auch „überhaupt nicht zerstritten“.

In einer ersten Version hieß es, Christiane Lemkes Vorname sei Christine. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.



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