Der Tagesspiegel : Fünf Städte für die Bundesgartenschau

Die Buga 2015 soll wieder auf märkischem Sand stattfinden. Es wäre schon die dritte im Land

Claus-Dieter Steyer

Brandenburg (Havel) - Der große Erfolg von Bundes- und Landesgartenschauen in Brandenburg macht offenbar süchtig. Denn nach 1995 in Cottbus und 2001 in Potsdam könnte im Jahre 2015 bereits die dritte Bundesgartenschau auf märkischem Sand stattfinden. Um die Ausrichtung wollen sich die Stadt Brandenburg, Premnitz, Rathenow, das Amt Rhinow und das zu Sachsen-Anhalt gehörende Havelberg gemeinsam bewerben. Die Orte liegen wie auf einer Perlenschnur aufgefädelt an der Unteren Havel. Ursprünglich sollte die Buga 2015 im niedersächsischen Osnabrück stattfinden. Doch aus Geldmangel beschloss der dortige Stadtrat die Rücknahme der Bewerbung, die mit 150 bis 190 Millionen Euro bezifferten Kosten zur Verwandlung eines seit 150 Jahren industriell und als Deponie genutzten Berges in einen Landschaftspark erschienen der Stadt als zu hoch.

Die Absage an die erste Buga in Niedersachsen seit 60 Jahren liegt gerade etwas mehr als eine Woche zurück. Doch die Brandenburger Oberbürgermeisterin Dietlind Thiemann (CDU) muss auf diese Nachricht nur gewartet haben. Sofort erkannte sie die Chance eines weiteren Imagegewinns durch bundesweite Aufmerksamkeit für ihre Stadt und hielt nach Partnern Ausschau. Die fand sie in den benachbarten Havelstädten. Als sie am späten Mittwochabend die im Stadtparlament vertretenen Fraktionschefs über ihre Idee informierte, bat sie noch um Verschwiegenheit. Doch die hielt nicht lange, und jetzt ist die Buga schon Stadtgespräch.

„Eine große Gartenschau wäre für uns wirklich traumhaft schön“, sagte Oberbürgermeisterin Thiemann gestern. „Wir könnten mit ihr beispielsweise das rund 20 Hektar große Gelände an der Regattastrecke umgestalten.“ Ein Ort brauche ihrer Ansicht nach immer Höhepunkte, um sich zu entwickeln. Im nächsten Jahr feiere die Stadt „850 Jahre Mark Brandenburg“, 2008 folgt die WM des Rudernachwuchses, 2009 die Europameisterschaft der Kanuten und 2013 womöglich sogar die große Ruder-WM. „Da passt die Buga 2015 gut ins Konzept“, sagt Thiemann. „Und wenn Berlin die Olympischen Spiele 2020 erhalten sollte, finden die Ruderwettbewerbe garantiert in Brandenburg statt.“

Vor allem die überraschend positiv ausgefallene Bilanz der Mitte Oktober beendeten Landesgartenschau in Rathenow dürfte die Entscheidung beflügelt haben. An 177 Tagen waren rund 480 000 Besucher auf das Gelände geströmt. Dabei hatten die Veranstalter vor allem wegen der etwas abgeschiedenen Lage der Stadt mit höchstens 350 000 Besuchern gerechnet. Mit viel Geld aus EU- und Landeskassen wurde das Stadtzentrum herausgeputzt.

Eine erste Konzeption für die Buga 2015 soll von den Chefs der Rathenower Gartenschau geschrieben werden. Ex-Geschäftsführer Hans-Jürgen Lemle hatte in dieser Woche überraschend den Chefposten beim Marketingverband „Pro Agro“ nicht angetreten und sich stattdessen wieder in der Stadtverwaltung anstellen lassen. Über die Hintergründe ließ er die Öffentlichkeit im Unklaren. Jetzt scheint klar, dass Lemle, der gestern nicht zu erreichen war, sich bereits mit der Buga beschäftigt.

Die Ausrichtung der Gartenschau in mehreren Orten soll die finanzielle Last etwas verteilen. Auch die Buga 2007 findet bereits in zwei Städten statt – in Gera und in Ronneburg in Thüringen. 2017 plant die Bodenseeregion sogar eine Internationale Gartenbauausstellung in drei Ländern. Bis dahin stehen aber erst einmal Schwerin (2009), Koblenz (2011) und 2013 (Hamburg) als Ausrichter der Bundesgartenschau fest. Und 2009 erlebt Brandenburg die nächste Landesgartenschau: In Oranienburg erfolgte in dieser Woche dafür der erste Spatenstich.

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