Der Tagesspiegel : Fünfhundert und kein Ende

Warum wir uns das Cabrio vom Fiat 500 und den 500 Abarth hier noch mal genauer anschauen? Im Sommer startet die Mischung aus beiden

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Auf den ersten Blick …

versprechen beide einen heißen Sommer: der eine mit seinem schnuckligen Rolldach, der andere mit seiner rotzfrechen Rennoptik. Sortieren wir erst mal die Lage: Vom 500, dem beliebtesten aller Fiats, gibt’s inzwischen auch einen 500 C, ein Cabrio. Kein echtes, denn die Seitenholme bleiben stehen, wenn man sich Luft verschafft. Aber die Stoffmütze mit integrierter Glasscheibe fährt ganz weit zurück und gibt den Himmel über Spree, Rhein und Mosel aufs Blaueste frei. Dann gibt es den 500 auch noch mit einem Skorpion als Markenzeichen – der heißt dann nicht mehr Fiat, sondern Abarth. Die italienische Tochter mit dem Traditionsnamen backt Rennsemmeln ab Werk – unsere hat 135 PS, zwei fette Endrohre, breite Seitenschweller und einen großen Dachspoiler.

Pluspunkte gibt es vor allem für …

das grandiose Gefühl, einen zu haben. Einen Wagen, der was hermacht, dem sie nachpfeifen wie im Falle des Offenen. Oder dem sie nachfahren wie im Falle des Wilden. Der Abarth hat ein knackiges Fahrwerk, man könnte auch sagen, er hoppelt, so hart ist er. Trotzdem macht es Spaß, den 1,4-Liter-Turbo aufzudrehen. Bei hohen Touren fühlt er sich wohl, dann röhrt er von Herzen. Beim Open-Air-Ableger dagegen spielt der Motor keine Geige. Der müde 1.2-Benziner als Einstieg reicht eben zum Rumfahren. Aber das ist auch so ein Vergnügen für alle Beteiligten: für die an Bord, weil das Dach bis Tempo 60 komplett nach hinten fahren kann und (selbst bei 120) zugfreies Sonnenbaden ermöglicht. Und für die auf dem Bürgersteig, weil der Knutschfaktor der Kugel sich in aller Offenheit noch einmal vervielfacht.

Weniger Charme hat …

in beiden Fällen das Kofferräumchen. 182 Liter! Da empfiehlt sich selbst für Singels beim Shoppen extreme Zurückhaltung. Ab Tempo 80 merkt man, dass dem 500 C das feste Dach fehlt; er fängt an zu zittern, weil es an Steifigkeit fehlt. Beim Abarth fällt – natürlich – die Wankneigung des hochbauenden Fronttrieblers mehr auf; man gewöhnt sich allerdings bald daran. Die Lenkung des Winzsportlers fanden wir zuweilen etwas indirekt. Hohe Kurventempi waren trotzdem drin; auch ein Verdienst der elektronischen Bremshilfe TTC, die das Untersteuern unterdrückt.

Die spannendsten Details …

haben wir beim Cabrio außen gefunden. Er hat nämlich, anders als die Limousine, serienmäßig – und aus gutem Grund – Parksensoren an Bord: Ist das Dach aufgerollt, versprerrt es total die Sicht nach hinten. Beim Abarth verbirgt sich ein kleiner, aber wirkungsvoller Knopf in der bunt lackierten Armaturenblende: die Sport-Taste. Wer hier drückt, erntet Zunder. Die Lenkkräfte werden erhöht, das Gas spricht schärfer an und der Overboost-Modus treibt das maximale Drehmoment auf 205 Newtonmeter, weil sich der Ladedruck kurzzeitig erhöht.

Unterm Strich die richtige Wahl …

entweder für alle, die ihren Freifahrer im Sommer schon für 13 640 Euro machen wollen. Nur der Smart ist offen noch günstiger zu haben als die bereits relativ gut ausgestatete Basisversion Pop des 500 C. Oder für die, denen der Mini Cooper schon lange als überschätzte Modeerscheinung gilt. Für den 500 Abarth mit seinen hinreißenden rotledernen Sportsitzen sind gut 18 000 Euro aufgerufen – als Gegenwert darf man sich zu Hause einen seltenen Skorpion halten, der den einen oder anderen Besucher sicher mächtig in Staunen versetzen wird.Eric Metzler

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