Der Tagesspiegel : Für Schönbohm will die Parteispitze Frieden halten

MICHAEL MARA

POTSDAM .Die Bereitschaft des Berliner Innensenators Jörg Schönbohm, den Parteivorsitz der märkischen Union zu übernehmen, zeigt bei der zerstrittenen "Doppelspitze" Wirkung: Sowohl Fraktionschef Wolfgang Hackel wie auch Parteichef Peter Wagner versicherten gestern, daß sie sich nicht bis aufs Messer bekämpfen wollten, sondern zu einer rein sachlichen Zusammenarbeit bereit seien.Vorher hatten sie beide mit Schönbohm telefoniert - separat.Dem Vernehmen nach soll dieser zu verstehen gegeben haben, er kandidiere nur, wenn der Streit begraben werde.Wagner und Hackel selbst hatten bis zum Nachmittag nicht miteinander gesprochen.

Das Zerwürfnis zwischen den beiden Politikern ist allerdings so tief, daß es kaum noch gekittet werden kann: "Nein, mit ihm persönlich trinke ich kein Bier mehr", sagte Wagner.Hackel hatte, nachdem er mit seiner Absicht, den Landesvorsitz zu übernehmen, im Landesvorstand auf Widerstand gestoßen war, Wagner ein abgekartetes Spiel vorgeworfen.Dieser habe ihm Zusagen gemacht, aber mit Schönbohm über eine Kandidatur verhandelt.Der Parteichef bestritt das gestern energisch: Hackel sei der Falschspieler.Kurz vor der Vorstandssitzung am Freitag habe er erfahren, daß Hackel mit Schönbohm wegen dessen Kandidatur im Gespräch sei.Er habe daraufhin zum ersten Mal seit einem Jahr mit Schönbohm über dessen Kandidatur gesprochen.Hackel wiederum will den Senator nur einmal Anfang September auf dieses Thema angesprochen haben - unverbindlich.

Beide sagen, das Vertrauen zum anderen sei zerstört.Da sich die Aussagen widersprechen, bleibt offen, wer hinter dem Rücken des anderen den Deal eingefädelt und mit gezinkten Karten gespielt hat.Die Meinungen in der Partei gehen offenbar auseinander.Der CDU-Kreisverband Prignitz erhob gestern schwere Vorwürfe gegen Hackel: Er müsse sich die Frage gefallen lassen, ob er als Fraktionschef "noch tragbar ist".Er sollte zumindest die Vertrauensfrage stellen.Wagners Rat an Hackel: "Dieser sollte die Vertrauensfrage lieber nicht stellen, weil er sie nicht überleben würde." Hackel lehnte dies gestern ab: "Wenn man mich nicht mehr will, soll man mir das laut sagen."

Unter CDU-Politikern wächst inzwischen die Sorge, daß der Riß, der durch die Landtagsfraktion geht, wieder aufbrechen könnte.Wagner hatte vor über einem Jahr - nach dem Aufstand der Rebellen um die Ex-Landesvorsitzende Carola Hartfelder - den Fraktionsvorsitz an Hackel abgegeben."Der Riß war doch nie gekittet", sagte Wagner gestern.Auch Hackel äußerte sich eher skeptisch: Er werde versuchen, die Fraktion zusammenzuhalten.Immerhin: Die Bereitschaft Schönbohms, die CDU in den Landtagswahlkampf zu führen, findet an der Basis offenbar ein positives Echo: Schönbohm sei in der Lage, die märkische Union wieder zu einer wählbaren Alternative zu machen, betonte zum Beispiel der Kreisverband Oder-Spree.

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