Der Tagesspiegel : Fürstenberg: Angst vor der Überflieger-Investition

Stefan Jacobs

Es ist nicht der erste Strohhalm für die Stadt an der Havel. Einst sollte ein Badeparadies entstehen, dann eine Klinik. Investoren kamen und gingen. Am Ende blieb der idyllisch zwischen Wäldern und Seen gelegene 4000-Einwohner-Ort stets allein mit Schuldenberg und 22 Prozent Arbeitslosigkeit. Nun ist wieder ein Investor da - und viele kämpfen darum, ihn loszuwerden. Denn es ist die Religionsgemeinschaft der Maharishis, die am Ufer des Röblinsees ein Nobelhotel mit Maharishi-Ayurveda-Kuren und eine Akademie bauen will, in der eine Form der "Transzendentalen Meditation" (TM) gelehrt werden soll. Ringsum soll eine Wohnsiedlung entstehen: Laut dem Architekten bis zu 300 Einfamilienhäuser, deren Grundriss und Standort individuell berechnet werde, damit die Beziehung zum Kosmos stimme.

Der Riss geht quer durch die Stadt

In Fürstenberg verläuft der Riss zwischen Gegnern und Befürwortern des Vorhabens nicht in den Kosmos, sondern quer durch die Stadt. In vier Wochen sollen die Stadtverordneten entscheiden, ob die Kommune den Maharishis das gewünschte Grundstück verkauft. Eine Bürgerinitiative namens "Fürstenberg ohne Psychosekte" organisiert den Widerstand. Bei einer Bootstour am vergangenen Wochenende trafen sich die Kritiker. Dass sie die Maharishis als Sekte bezeichnen dürfen, haben sie inzwischen schriftlich. Das Papier gehört ebenso zu ihrer "Munition" wie ein Schreiben der Berliner Senatsjugendverwaltung, die im Nachbarort ein Ferienheim betreibt und die TM nebenan für "bedenklich" hielte: "Insbesondere die veröffentlichten Positionen des Guru Maharishi Mahesh Yogi sind mit (...) demokratischen Grundpositionen in keiner Weise vereinbar." Auf einer TM-Internetseite lässt sich der Guru darüber aus, dass "die Regierungen unbedingt unbesiegbar werden müssen" und die Welt "von diesem demokratischen System enorm getäuscht" werde. Die Lösung liefert er gleich mit: "Man muss einfach eine Gruppe Yogischer Flieger bilden. Dann wird das Naturgesetz die Langlebigkeit in jedem Land unterstützen." Und Opposition sei grundsätzlich schädlich.

"In der Maharishi-Ideologie heißt es ja auch, der Schwache sei nur existenzberechtigt, wenn er sich gegenüber dem Starken durchsetzen könne. Solchen Sozialdarwinismus lehne ich ab", sagt Kerstin Schumann, Augenärztin und Vorsitzende der Bürgerinitiative. Ihr wird der Psycho-Verein immer suspekter, je länger sie sich damit befasst. So sei die als Bauherrin agierende "Vastu Bau- und Entwicklungsgesellschaft" in mehreren, verschiedenen Rechtsformen aufgetreten, mal als GbR, dann als GmbH oder auch als Einzelunternehmung. Wobei die Präsentation sich bisher im Wesentlichen auf einen nichtöffentlichen Termin bei Amtsdirektor, Bürgermeisterin und dem Gewerbeverein beschränkt.

Mehr Fragen als Antworten

Statt einer von der Vastu (auch gegenüber dem Tagesspiegel) angekündigten Bürgerversammlung gab es zwei Faltblätter fürs Volk, die für Unterstützung warben, aber mehr Fragen aufwarfen als beantworteten. So ist von "erfahrenen Unternehmern und Architekten" die Rede. Ein Referenzobjekt wird jedoch nicht genannt. Auch bei einem Tagesspiegel-Gespräch Ende April zeigten die Investoren kein Exposé oder vergleichbares Konzept. Das ist bei einer angekündigten Investition von bis zu 120 Millionen Mark ungewöhnlich. Für weitere Nachfragen waren in den vergangenen Tagen weder Architekt noch Pressesprecher erreichbar.

Die Bürgerinitiative will sich jedoch nicht auf Schwächen der Vastu verlassen. Deshalb hat sie ein wenig nachgeholfen, einen Bieter zu finden, als Ende Juni ein für die Maharishis ebenfalls attraktives Waldgrundstück versteigert wurde. Bei 475 000 Mark lag das Mindestgebot; für mehr als eine Million hat ein anonymer Bieter zugegriffen. Der Vastu-Chef habe zuvor erklärt, das Grundstück sei für ihn ohnehin nicht interessant - und sei dann doch bei der Versteigerung aufgetaucht. Nun hoffen viele Fürstenberger, dass das Gerücht stimmt und hinter dem Bieter eine bayerische Jagdgesellschaft, aber kein Maharishi-Jünger steckt.

"Die Maharishi-TM holt die Leute weg von ihren eigentlichen Problemen, baut ihnen Scheinwelten und macht sie abhängig", sagt Schumann mit Blick auf die Maharishi-Behauptung, man könne den Welt- und Seelenfrieden herbeimeditieren. Die ebenfalls bei den Gegnern organisierte Soziologieprofessorin Renate Rott sagt: "Mir widerstreben diese falschen Heilungsversprechen, für die die Leute auch noch bezahlen sollen." Bezahlt werden muss auch im angekündigten Hotel: 18 Mark pro Übernachtung gehen laut einem internen Schreiben gewöhnlich an "Maharishi International". Wobei die weltweite Bewegung verschiedenste Geldquellen hat. Das Vermögen des Gurus wird auf etwa drei Milliarden Mark geschätzt. Diese Vorstellung ist vielen Fürstenbergern ebenso suspekt wie das Vorhaben in ihrer Stadt.

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