Der Tagesspiegel : Fuß vom Gas

Die BVG setzt auf Busse mit Dieselantrieb – der umweltfreundlichen Variante mit Erdgas droht das Aus

Klaus Kurpjuweit

Das Experiment kann wohl als gescheitert gelten: Fast pünktlich zum Start der Umweltzone hat die BVG den Vertrag über 9 ihrer insgesamt 14 Erdgasbusse gekündigt. Zum 29. März muss sich die Spandauer Firma Haru von den Linien M 32 (Rathaus Spandau–Heidebergplan/Brunsbütteler Damm) und 115 (Neuruppiner Straße–Fehrbelliner Platz) zurückziehen. Die neun umweltfreundlichen Erdgasbusse sollen nun verkauft werden. Die BVG setzt dann wieder Dieselfahrzeuge – mit Rußfilter – ein.

Im vergangenen Jahr gab es für die Erdgasbusse der Spandauer Firma Haru, die auf BVG-Linien auch innerhalb der Umweltzone unterwegs waren, noch einen Klimaschutzpreis. In der Senatsumweltverwaltung hält man die Kündigung für bedauerlich, sieht aber keine Möglichkeit, am Vorgehen der BVG etwas ändern zu können. Haru hatte die Erdgasbusse erst 2005 angeschafft. Zur Übergabe war auch der damalige Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) gekommen und hatte erklärt. „Mit Erdgasbussen ist nun auch die Hauptstadt in Sachen Luftqualität auf der richtigen Spur.“

Heute ist das Lob nicht mehr viel wert. Denn der Verkehrsbetrieb hatte mit der Gewerkschaft Verdi vereinbart, den Anteil privater Busunternehmen zu senken – von damals zwölf Prozent auf acht Prozent. So will Verdi Arbeitsplätze bei der BVG sichern. Die BVG hatte private Firmen beauftragt, um Kosten zu sparen. Deren Fahrer sind schlechter bezahlt als die Kollegen bei der BVG. Erst mit einem neuen Tarifvertrag, der aber nur für neu eingestellte Mitarbeiter gilt, war die BVG hier wieder konkurrenzfähig.

Die BVG habe versprochen, die Rücknahme von Aufträgen gleichmäßig auf alle privaten Unternehmen zu verteilen, sagte Haru-Chef Karsten Schulze. Um so überraschter sei er gewesen, als er die Komplettkündigung erhalten habe. Damit verliere das Unternehmen rund ein Drittel seines Umsatzes. Nach Angaben der BVG gehörte Haru zu den teuersten Anbietern unter den Privaten und habe deshalb zuerst die Kündigung erhalten. Schulze verwies darauf, dass Haru neue Fahrzeuge eingesetzt habe, die logischerweise teurer seien als jahrealte Busse, die bei anderen Unternehmen fahren. Umstritten zwischen ihm und der BVG sind auch die wirtschaftlichen und ökologischen Fragen beim Einsatz von Erdgasbussen. Nach Angaben von Schulze fahren seine Erdgasbusse wirtschaftlich. Die BVG dagegen sagt, bei den Gesamtkosten seien ihre Erdgasbusse drei Prozent teurer als Dieselfahrzeuge; im Betrieb seien Erdgasbusse sogar bis zu 15 Prozent teurer. Die BVG und Schulze berufen sich dabei jeweils auf Gutachten der WIBERA AG. Die BVG setzt derzeit in eigener Regie fünf Erdgasbusse ein. Von Anfang an hatte sie deren Wirtschaftlichkeit bezweifelt und sich lange gegen den Einsatz gesträubt. Insgesamt hat die BVG rund 1300 Busse – vorwiegend mit Dieselantrieb.

Auch beim CO2-Ausstoß schnitten diese nach Angaben der BVG besser ab als Erdgasfahrzeuge. Die Emissionen lägen rund zehn Prozent über denen bei Dieselfahrzeugen mit der besten EU-Abgasnorm. Bei Umweltexperten stößt diese Aussage allerdings auf Skepsis.

Die BVG sieht die Zukunft im Antrieb durch Wasserstoff, dessen Einsatz bisher allerdings noch nicht wirtschaftlich ist. Der Verkehrsbetrieb will sich jetzt am „Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ beteiligen, das vom Bundesverkehrsministerium gefördert wird. Danach könnten zwischen 2009 und 2016 weitere 50 Busse mit Wasserstoffantrieb bei der BVG fahren.

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