Fußball : Real Deutschland

Der frischgebackene spanische Meister aus Madrid lockt Trainer Bernd Schuster und holt Nationalverteidiger Christoph Metzelder.

Julia Macher[Madrid]
Bernd Schuster
Der blonde Engel will zu Real -Foto: dpa

Real Madrids Präsident Ramon Calderon hatte in der Nacht auf Montag allen Grund zum Feiern. Wenige Stunden zuvor hatte der Klub seinen ersten Titel seit 2003 gewonnen. Und so prostete der Vereinspräsident des neuen spanischen Fußballmeisters beim Galadinner gut gelaunt Spielern und Kollegen zu, herzte und umarmte sie. Alle, bis auf einen. Denn Trainer Fabio Capello bedachte Calderon nur mit einem kurzen Händedruck und einem kühlen Blick. Kein freundliches Wort für den Italiener, der die Weißen nach einer verkorksten Saison doch noch zum Sieg geführt hatte. Schließlich hatte der kurz zuvor über den Präsidenten gelästert: „Von Calderon habe ich mich kaum unterstützt gefühlt.“

Kein Wunder also, dass der Chef sauer war. Offiziell läuft Capellos Vertrag zwar noch über zwei Jahre, aber das Verhältnis zwischen ihm und der Klubleitung ist tief zerrüttet. Bis auf Sportdirektor Predrag Mijatovic stützt ihn niemand. Auch wenn Calderon stets wiederholt: „Es ist noch nichts beschlossen“ – Capellos Tage bei Real Madrid sind gezählt. Und das weiß er. „Meine Zukunft ist eine Münze, die man hoch in die Luft geworfen hat“, sagte der ehemalige Trainer des AC Mailand italienischen Journalisten.

Die offizielle Entscheidung verkündet der Vorstand am kommenden Montag; genau einen Tag nach dem spanischen Pokalfinale, bei dem Bernd Schusters FC Getafe auf Sevilla trifft. Das ist kein Zufall: Schon seit Monaten wird der Deutsche als Nachfolger gehandelt. Kaum einer bezweifelt mehr, dass Schuster, der einen Vorstadtverein ins Pokalfinale und in den Uefa-Cup führte, bereits einen Vorvertrag mit den Königlichen unterzeichnet hat. Schuster kennt Spanien gut, er spielte beim FC Barcelona, bei Real und Atletico Madrid, trainierte Levante UD und Xerez. Kurz: Er weiß, wie die Sportpolitik in Spanien funktioniert und bedient ihre Maschinerie geschickt. Das am Montag auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes veröffentlichte Interview, in dem er davon sprach, dass Real Madrid in seinen Plänen auftauche, stand in allen spanischen Zeitungen. Und flugs zimmerte ein Sportblatt daraus gestern die Schlagzeile: „Calderon hat sich schon für Schuster entschieden.“ Es ist tatsächlich nicht unwahrscheinlich. Ein Wechsel auf der Trainerbank passt gut in Calderons Konzept. „Wir wollen zurück zu den Werten, die den Klub groß gemacht haben“, sagte er am Montag. Und Capellos langweiliger Stil passt ihm dabei ebenso wenig wie dessen Entscheidung, teure Einkäufe wie den 19-jährigen Argentinier Gonzalo Higuaín erst einmal auf die Bank zu setzen.

Bei der Vorstellung seines neuen Projekts sprach Calderon ausdrücklich nicht von Capello, sondern bestätigte den ersten Neuzugang der kommenden Saison: Der Wechsel des Nationalspielers Christoph Metzelder von Borussia Dortmund ist perfekt. Der Innenverteidiger, dessen Vertrag zum Saisonende ausgelaufen war, hat sich auf drei Jahre verpflichtet und soll ein Jahresgehalt von drei Millionen Euro beziehen. Schon Anfang Juni hatte der Westfale im Tagesspiegel von einer Zukunft im südeuropäischen Ausland gesprochen. Und vor einigen Wochen hatte angeblich auch Bernd Schuster seine Zustimmung gegeben. Neben Metzelder wird Real Madrid in der nächsten Saison noch drei weitere Fußballer in die spanische Hauptstadt holen, die Verträge stünden kurz vor der Unterzeichnung.

Bei seinem ersten Training im weißen Trikot sollte Metzelder sich übrigens nicht zu locker geben, erst recht auf Dinge wie einen Kopfhörer verzichten. Für einen, der das königliche Wappen auf der Brust trägt, zieme sich das nämlich nicht, sagte Calderon: „Einen Real-Spieler muss man schon am Auftritt erkennen, so wie einen Stierkämpfer.“ Auch das gehört zum Projekt des neuen Real Madrid.