Fußball : VfB: Ein Fall für den Psychiater

Verkorkste Champions-League-Auftritte, Platz 14 in der Bundesliga: In Stuttgart spricht man nach der Blamage gegen Lyon bereits vom Abstiegskampf. Auch sonst scheint beim VfB die Stimmung am Boden.

Elmar Dreher[dpa]
Gomez
Im Formtief: Mario Gomez. -Foto: ddp

StuttgartDem VfB Stuttgart droht der sportliche Offenbarungseid. Nach der noch schmeichelhaften 0:2 (0:0)-Schlappe gegen Olympique Lyon haben die Schwaben das Kapitel Champions League schon zur Halbzeit der Gruppenphase realistischerweise selbst abgehakt. Absolute Priorität für den erneut gedemütigten deutschen Fußball-Meister hat nun der Abstiegskampf. "Wir sind derzeit nicht dazu in der Lage, mit den Besten mitzuhalten", räumte der nach dem nächsten schweren Tiefschlag sichtlich gezeichnete Trainer Armin Veh ein. "So leid es mir tut: Wir müssen uns auf die Bundesliga konzentrieren und können nicht mehr vom Weiterkommen träumen."
        
So langsam scheint der VfB ein Fall für die Couch zu sein. Angesichts dieser schwierigen mentalen Situation gibt es Spieler, die "psychische Probleme" haben, hatte Mario Gomez schon im Vorfeld zugegeben. Der seit Wochen ebenfalls in einem Formtief steckende Nationalstürmer verließ wie die meisten seiner Kollegen wortlos und entnervt den Ort der Demontage. Selbst gegen den zuvor tor- und punktlosen französischen Serienmeister reichte es nicht zum erhofften Befreiungsschlag. Statt wenigstens ein Schrittchen aus der Krise zu tun, stürzten die Stuttgarter noch tiefer in den Schlamassel. Und ein Ende des Elends ist nicht abzusehen. "Es hat keiner gewusst, dass es so schlimm kommt", sagte der alte Mittelfeld-Haudegen Silvio Meißner.

"Wir sind nicht in der Lage, dagegenzuhalten"

Ohne den in einem weitgehend desolaten Team als einzigen überzeugenden Schlussmann Raphael Schäfer hätte der nur 20 Minuten lang mithaltende Meister leicht ein halbes Dutzend Gegentreffer kassieren können. Gomez & Co vermochten es dagegen nicht, sich eine einzige ernsthafte Chance herauszuspielen. So blieb es beim 0:2 durch Fabio Santos (56. Minute) und Karim Benzema (79.). "Die Mannschaft ist in einer Verfassung, in der sie nach einem Tor zusammenfällt", lautete das schonungslose Urteil von Sportdirektor Horst Heldt. Veh brachte es auf den Punkt: "Wir sind momentan nicht in der Lage, dagegenzuhalten."

In dieser teilweise schon bemitleidenswerten Verfassung droht dem gegenüber dem 1:4-Debakel von Hamburg wenigstens in Ansätzen leicht verbesserten VfB gegen Bayer Leverkusen der nächste Rückschlag, zumal am Samstag die beiden Rot-gesperrten Schlüsselspieler Pavel Pardo und Fernando Meira fehlen. "Wir sind im Abstiegskampf. Je länger das dauert, umso schlimmer wird es", sagte der ebenfalls blass gebliebene Yildiray Bastürk. "Ich habe das 2003 mit Leverkusen erlebt, wo wir uns erst am letzten Spieltag gerettet haben, auch wenn es jetzt bei uns noch nicht so dramatisch ist."

Stolz und Ehre

Klar ist aber auch, dass sich die Unruhe in und außerhalb des Vereins sowie die Verunsicherung der Profis im Fall eines weiteren Negativerlebnisses gegen die Werkself weiter potenzieren werden, zumal danach in Nürnberg und zu Hause gegen den FC Bayern München ebenfalls Niederlagen drohen. "Wir müssen gegen Leverkusen punkten", forderte Pardo, der als einer der wenigen die Hoffnung auf ein Weiterkommen noch nicht aufgegeben hat. "Das war noch nicht das Ende." Sein mexikanischer Landsmann Ricardo Osorio appellierte an seine Mannschaftskollegen: "Es geht in den nächsten Spielen um den Stolz und die Ehre."

Primär müssen aber Punkte her, damit der Tabellen-14. nicht bald auf einen Abstiegsplatz abrutscht. Kapitän Meira versprach: "Wir werden kämpfen, um aus dieser Krise zu kommen. Nur wir Spieler können diese Situation drehen." Schäfer sieht das auch so, dass weder Trainer noch Management, sondern primär die Profis Schuld an der prekären Lage sind: "Wir haben uns das alles selbst eingebrockt. Jetzt müssen wir das auch auslöffeln."

Für das Restprogramm in der Champions League gibt es für den immer mehr zur Meister-Karikatur verkommenden Titelträger nur noch ein Ziel: "In den nächsten Spielen wollen wir uns nicht abschlachten lassen, sondern versuchen, uns ordentlich zu präsentieren", sagte Heldt.