Der Tagesspiegel : Gärten als Geldquellen

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ClausDieter Steyer über die Sogwirkung von Brandenburger Gartenschauen

ANGEMARKT

Eigentlich hören wir von der Landesregierung ja häufig von Geldnot. Doch jetzt zeigt sich das Land mal verschwenderisch und machte mehrere Millionen Euro für einen Garten locker. Nicht für irgendeinen, sondern man schuf den Europagarten. Den gibt es seit dem Wochenende in Frankfurt (Oder). Allerdings sieht man dort keine blühenden Blumenrabatten, Beete mit seltenen Gehölzen, Stauden, künstlich angelegte Seen oder was Gartenbesucher sonst noch begeistert. Der Garten ist mehr ein ein Verschönerungsprogramm für das angeschlagene Image der Grenzstadt. Da die EU dafür ebenfalls ihre Kassen geöffnet hat, machte sich der Name Europagarten sehr gut. Außerdem hat auch die seit 1945 zu Polen gehörende Dammvorstadt am anderen Oderufer mit Geld aus Brüssel ihre Parks verschönert. Nun kann das 750-jährige Gründungsjubiläum im Sommer gemeinsam würdig gefeiert werden.

Die Effekte dürften nicht lange auf sich warten lassen. Frankfurt versteckt die Oder nicht mehr wie in den Jahrzehnten davor, sondern will jetzt von dem Reiz des Flusses profitieren. Es gibt eine neue Promenade am Fluss. Die Insel Ziegenwerder mit dem großen Park ist jetzt einer der schönsten Orten weit und breit. Das freut nicht nur die Einwohner der Stadt, in der seit Jahren viele junge Menschen in den Westen abwandern. Auch Touristen finden hier nun wirklich lohnende Adressen zum Schauen, Bummeln und Entdecken. Selbst das bislang hauptsächlich wegen seiner Billigbasare, Zigarettenhändler und preiswerten Tankstellen aufgesuchte polnische Ufer zeigt neue Seiten.

Da sich die Reiselust der Deutschen in diesem Jahr ohnehin mehr auf die nähere Umgebung konzentriert, ist die Sogwirkung noch gar nicht abzuschätzen. Schon deshalb sind bis heute zu hörende Vorwürfe, die Landesregierung habe mit dem Europagarten viel Geld in ein weiteres Prestigeobjekt gesteckt, fehl am Platz. In diese Kategorie passen ganz andere seit Anfang der neunziger Jahre verfolgte Großprojekte. Skeptiker sollten an die großen Effekte der vorangegangenen Gartenkunstwerke in Brandenburg denken. Die Bundesgartenschauen 1995 und 2001 veränderten nachhaltig die Gesichter von Cottbus und Potsdam.

Luckau und Eberswalde profitieren noch immer von den Landesgartenschauen in den Jahren 1999 und 2002. Die Bürgermeister der beiden Städte sprechen von großen Glückstreffern. Mit einem Schlag verschwanden hässliche Industriebrachen, stinkende Gewässer oder graue Häuserzeilen, vom Stimmungsumschwung unter den Einwohnern ganz zu schweigen.

Da ist es schade, dass das nächste Ereignis dieser Art eine Stadt erst im Jahre 2006 beglücken wird. Rathenow richtet dann die dritte Landesgartenschau aus. Dabei ist ein besseres Programm zum Ankurbeln der örtlichen Wirtschaft kaum vorstellbar. Und ganz nebenbei würde der einst so gescholtene Erfinder des Spruchs von den „blühenden Landschaften im Osten“ doch noch Recht bekommen, wenn er sich auch um einige Jahrzehnte verrechnet hat.

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