Der Tagesspiegel : "Gärten der Sinne": Das Rhinozeros steckt in der Baumschule

Claus-Dieter Steyer

Sechs Künstler aus europäischen Ländern und aus Kanada eröffnen heute ihre "Gärten der Sinne" in Gehren bei Luckau. Während eines 14-tägigen Symposiums hatten die Teilnehmer, unter ihnen der Kanadier Roger Gaudreau und die Deutsch-Italienerin Carlotta Brunetti, das zehn Hektar große Gelände erkundet und ihre Skulpturen in die Natur "eingepasst". Besucher können das Terrain nun durchstreifen und dabei auf künstlerische Entdeckungsreise gehen.

Roger Gaudreau und Cantal Brulotte grübeln über den Kopf des Rhinozerosses. Da noch eine Biegung, hier noch etwas Draht und oben vielleicht eine Beule nach außen. Die beiden Künstler aus Kanada füllen das Metallgerüst mit Lindenzweigen und fertig ist "Gerhard". Nach den letzten Feinarbeiten wird das Nashorn heute gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Arbeiten in den "Gärten der Sinne" von Gehren in der Niederlausitz öffentlich vorgestellt. Um 13 Uhr beginnt die Vernissage des vor zwei Wochen gestarteten Symposiums mit Künstlern aus mehreren Ländern.

Erstmals öffnet auf dem Gelände in der Nähe von Luckau zwar eine Galerie in einem festen Haus, doch die meisten Arbeiten muss der Neugierige selbst in dem weitläufigen Park suchen. Das Rhinozeros erhält seinen Platz beispielsweise in den Resten einer früheren Baumschule. "Wir kündigen mit den Tieren den nordischen Ländern die Erwärmung des Planeten an", sagt Roger Gaudreau. "Sie stehen schon in Kanada, in Frankreich, in Italien und jetzt auch in Deutschland."

Ringe symbolisieren den Raum

Überrascht von der Natur in diesem Flecken der Niederlausitz zeigte sich auch Marie-Helene Richard aus der Schweiz. Bei einem Spaziergang sei ihr aufgefallen, dass die großen Erlen am Boden zwar weit auseinanderstehen, ihre Wipfel sich aber berühren. "Deshalb habe ich Ringe um die Bäume gelegt", sagte die 35-Jährige. "Nun kann jeder sehen, wieviel Raum ein Baum tatsächlich verlangt."

Auf den Spaziergängen wird der Besucher auch auf sonderbare Märchenbilder, fliegende Urlauber, fünf hintereinander stehende Betten aus Holz, einen Kirschgarten oder eine Liebesinsel stoßen. Von den Symposien der vergangenen Jahre sind ein Gletscher aus Zweigen und Ästen, eine Fluglinie aus Holz oder ein Waldschiff geblieben.

Vor sechs Jahren begann in der ehemaligen Obstplantage die Verbindung zwischen Kunst und Natur. Die bildenden Künstler Nadia Schmidt und Jean Marie Boivin hatten das hügelige Terrain entdeckt. Alte Steinstufen stammen aus den 20er Jahren, als ein Pfarrer schon einmal einen besonderen Landschaftspark anlegen wollte. Auf engstem Raum gibt es Quellen, Waldbäche, Kiefern- und Mischwälder, Lichtungen, Brombeerdickicht, Heiden und Sommerwiesen. Zehn Hektar misst das von einem slawischen Burgwall umgebene Areal, das sich die Künstler vom Privateigentümer pachteten. Schmale und verschlungene Wege führen durch die Gärten der Sinne. Ein Plan schützt vor dem Verlaufen.

"Leider steht unsere diesjährige Saison unter keinem guten Stern", sagt die Initiatorin Nadia Schmidt. "Es könnte unsere letzte in Gehren werden." Das Brandenburger Kultur- und das Europaministerium sowie der Landkreis Dahme-Spree hätten mitgeteilt, dass sie im nächsten Jahr die Fördermittel für die Symposien in Höhe von 22 000 Mark nicht mehr zahlen. "Da bleiben uns nur die Einnahmen aus den Eintrittskarten", meint die 36-jährige Künstlerin. Aber sehr viel Geld kommt dadurch nicht in die Kasse, denn im vergangenen Jahr begaben sich gerademal knapp 4000 Menschen auf die Sinnestour durch diese Natur- und Kunstlandschaft. Mehrere Veranstaltungen und Projekttage für Jugendliche sollen nun mehr Interessenten zu diesem durchaus lohnenden Ausflugsziel locken.

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