Der Tagesspiegel : Galopper mit Startschwierigkeiten

In Hoppegarten werden erneut Pferderennen abgesagt. Es fehlt das Geld. Das Land wollte die Bahn mal kaufen. Jetzt will es nicht mehr helfen

Ingo Wolff

Es hätte alles so schön werden können. Der Wetterbericht verspricht für das nächste Wochenende schönes Ausflugswetter und auf der Galopprennbahn Hoppegarten war das wichtigste Rennen des Jahres in einen spannenden Renntag eingepackt. Doch nun müssen sich Pferdefans ein anderes Ausflugsziel für Samstag suchen. Der Union-Klub hat den kommenden Renntag abgesagt und auch das zweitwichtigste Rennen am 14. August gleich gestrichen. Immerhin, es wird überhaupt Rennen geben. Aber für große Turniere fehlt das Geld.

Dass die Probleme des Union-Klubs immer größer werden, ist vor allem das Ergebnis eines alten Streits mit dem Land Brandenburg. Nach der Wende befand sich das Gelände in Händen der Treuhand und der Union-Klub wollte als alter Betreiber der Rennbahn das Gelände zurückkaufen. Das aber lehnte die Brandenburger Landesregierung ab, weil sie das Gelände selber nutzen wollte. Also gingen Land und Bund vor Gericht. Das Land verlor und zog sich schmollend aus dem Pferdesport zurück. Jetzt muss der Klub die Kosten für den Unterhalt, immerhin rund 250000 Euro, selbst erwirtschaften. Der dringend benötigte Umbau der Tribüne ist da nicht drin. Und Geld auf der hohen Kante hat der Union-Klub auch nicht mehr. Das Altvermögen aus den Zeiten im Exil in Köln hatte die damalige Klubführung im Rausch nach der Einheit großzügig ausgegeben. Und auch Sponsoren halten sich zurück.

Um an frisches Geld zu kommen, setzt der Union-Klub deshalb auf eine Stiftung, an der sich Bund und Land finanziell beteiligen sollen. Doch das Land lehnt dies ab. Seit vergangenen Donnerstag ist auch der Bund, vertreten durch die Treuhand-Nachfolgerin BVVG, nicht mehr bereit, den laufenden Betrieb zu unterstützen. Damit sind die restlichen Rennen gefährdet – und die nächste Saison auch.

Das Präsidium des Union-Klubs versteht dennoch nicht, warum sich ausgerechnet das Land Brandenburg so vehement gegen jegliche Unterstützung der Rennbahn verschließt. Geschäftsführer Hauke Wilkens zählt auf, dass sich Länder wie Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg an Rennbahnen beteiligt haben. Ihn stört vor allem, dass sich das Land beim Landgestüt Neustadt/Dosse mit mehr als einer Million Euro im Jahr engagiert, gleichzeitig aber sagt, dass Pferdesport kein Landesinteresse sei. Wilkens wünscht sich ein bisschen mehr Gerechtigkeit. Er verweist darauf, dass Hoppegarten zu den größten Arbeitgebern im Landkreis Dahlwitz-Hoppegarten gehört und außerdem einer der fünf besucherstärksten Veranstaltungsorte im Land ist. Im vorigen Jahr waren es insgesamt mehr als 100000. „Wir sind neben Sanssouci auch einer der wenigen Markennamen, die über Brandenburg hinausstrahlen“, sagt Wilkens. Selbst in Singapur und Hongkong schwärmten Fachleute von der außergewöhnlichen Anlage der Rennbahn. Voraussetzung für die Schwärmerei ist allerdings, dass dort auch Pferde laufen.

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