Der Tagesspiegel : "Gartenstadt in der Mark": Hintergründe der Fehlspekulation

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Es war von Anfang an ein ehrgeiziges Projekt, das die Fahrländer Kommunalpolitiker blind für die Realitäten machte: Der 1000-Seelen-Ort nördwestlich von Potsdam wollte sich nach der Wende in kurzer Zeit zur "Gartenstadt" mit 18000 Einwohnern katapultieren. Dafür erwarb die Gemeinde 1991/1992 - beraten vom vorbestraften Berliner Geschäftsmann Michael L. - rund 130 Hektar Ackerland, für die sie Baulandpreise von 40 Mark je Quadratmeter akzeptierte. Es wurde eine teure Fehlspekulation, die Fahrland, das Millionenkredite aufnehmen musste, an den Rand des Ruins treiben sollte. Ein Damoklesschwert, das bis heute über dem Dorf schwebt - mit der Folge, dass selbst beim aktuellen Poker um Gemeindefusionen im Potsdamer Umland im Zuge der Gemeindereform von Innenminister Jörg Schönbohm partout kein anderer Nachbarort mit dem "Pleitedorf" zusammengehen will. So wird damit gerechnet, dass Fahrland letzlich der Landeshauptstadt Potsdam zugeschlagen werden könnte.

Die Gartenstadt-Pläne waren vom Bauministerium nicht genehmigt worden, was das Projekt ins Trudeln brachte. Der Fall sorgte Mitte der 90er Jahre sogar für politische Wogen im Brandenburger Landtag und im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Er brachte den damaligen Innenminister Alwin Ziel und den Belziger Landrat Lothar Koch in Bedrängnis, weil die ihnen unterstehenden Kommunalaufsichtsbehörden nicht eingegriffen hatten. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelte zwischenzeitlich gegen Fahrländer Akteure, denen sie Betrug und Konkursverschleppung der örtlichen Entwicklungsgesellschaft Fahrland (EGF) vorwarf, was 1998 vor dem Oberlandesgericht jedoch mit Freisprüchen endete. Gleichwohl wurde - die Affäre war längst hochgekocht - das gegen die mit Berlin abgestimmte Landesplanung verstoßende Wildwuchs-Vorhaben inzwischen nachträglich legalisiert - um das Millionenloch zu verringern.

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