Gastronomie : Hilfen für die Freundlichkeit

Service-Angestellte in Hotels und Restaurants sind oft besonders schlecht bezahlt. Das bedeutet oft auch unzufriedene und schlecht gelaunte Mitarbeiter, die Gäste durch Unfreundlichkeit vertreiben. Ein Kommentar.

Beim Ärger über schlechten Service in Hotels oder Restaurants geht ein möglicher Grund in der Aufregung oft unter: Sind die Angestellten motiviert, dem Gast im besten Sinne des Wortes dienen zu können? Wer die überwiegend jungen Mitarbeiter darauf anspricht, erntet meist müdes Achselzucken oder flapsige Antworten. Würde man sich abseits des Arbeitsplatzes mit ihnen unterhalten, käme die Sprache schnell auf ihre größte Sorge – die niedrige Bezahlung. Wer sich mit einem Stundenlohn von weniger als 7,50 Euro zufrieden geben muss, spart sich auch mal die freundliche Ansprache oder die Erfüllung von Extra-Wünschen.

Der Gewerkschaftsbund hat in seinem „Schwarzbuch Billiglohn“ für Brandenburg neben Abfallwirtschaft, Gartenbau und überraschenderweise der Solarwirtschaft nicht zufällig auch die Hotellerie und Gastronomie des Landes als besonders knausrige Branchen hervorgehoben. Die Außenwirkung ist fatal: Denn gerade hier sprechen sich schlechte Nachrichten im Unterschied zu guten Erlebnissen viel schneller herum. Und da beginnt ein Teufelskreis. Niedrige Löhne, die nicht selten noch mit Hartz IV aufgebessert werden müssen, bedeuten unzufriedene und schlecht gelaunte Mitarbeiter, die wiederum die Gäste vertreiben. Am Ende fehlt in der Kasse wieder Geld und es muss noch weiter am Service gespart werden.

Als logische Konsequenz sehen immer mehr junge und vor allem weibliche Angestellte nur einen Ausweg: Abwanderung in den Westen, zu Hotels und Restaurants mit besserer Bezahlung. Oft drängt sich bei vielen Gästen schon der Eindruck auf, dass sich jenseits der märkischen Vier- Sterne-Häuser kein gutes Personal mehr finden lässt. Erfreuliche Ausnahmen bestätigen die Regel besonders auffällig. Schon die Tatsache, dass sich viele Restaurantchefs selbst als Koch an die Töpfe und Pfannen stellen müssen, sagt viel über die wirtschaftliche Situation. Helfen würde jetzt ein Hilfsprogramm für mehr Qualität, nachdem die Infrastruktur aus Hotels, Bädern, Campingplätzen und Freizeitparks keiner Erweiterung mehr bedarf. Die Gäste werden es danken.

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