Gazastreifen : "Das ist Krieg"

Die radikal-islamische Palästinensergruppe Hamas greift nach monatelangem Bruderkampf im Gazastreifen gewaltsam nach der Macht. Sie sieht in der verfeindeten Fatah die Marionette Israels.

Hamas
Kämpfer der HamasFoto: AFP

Tel AvivDie radikal-islamische Palästinensergruppe Hamas greift nach monatelangem Bruderkampf im Gazastreifen gewaltsam nach der Macht. Immer brutaler führen die Kämpfer der Organisation ihre Gefechte, bei denen gleich mehrere rote Linien überquert wurden. "Das ist Krieg", sagte der verzweifelte Fatah-Sprecher Maher Magdad inmitten heftiger Kämpfe, bevor hunderte Milizionäre der radikal-islamischen Hamas sein Gebäude angriffen. Dabei stand seine Fatah der Hamas bisher kaum nach. Doch nun erkämpft sich die Hamas im Gazastreifen Schritt für Schritt die Kontrolle.

In einer Ansprache, die vom palästinensischen Fernsehen übertragen wurde, beschuldigte Fatah-Mann Magdad die Hamas, im Dienste ausländischer Kräfte zu handeln, die die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auslöschen wollten. Dies ist im Gazastreifen eine unzweifelhafte Umschreibung dafür, dass die Fatah schiitische Kräfte aus Iran hinter der Schlagkraft der Hamas vermutet.

Propaganda-Sender hetzen

Dagegen erklärt Hamas die verfeindete Fatah zur Marionette der USA und Israels. In den Propaganda-Sendern der Hamas werden die Kämpfer in diese Richtung aggressiv aufgeputscht. Die Fatah-Führer müssten einen "schweren Preis" zahlen. Die Fatah-Leute seien "wie die Juden", wurde ein Hamas-Scheich zitiert. Demnach ist keine Rücksicht mehr nötig.

 In Gaza haben Hamas-Kämpfer danach einen Offizier von einem Hochhausdach in den Tod stürzen lassen - Auftakt der jüngsten Eskalation. Als ein Hamas-Milizionär erschossen wurde, stürmten andere ein Krankenhaus in Bet Hanun und ermordeten dort einen Vater und seine Söhne praktisch in den Betten. In der Nacht ging das Haus eines Fatah-Sicherheitsoffiziers in Flammen auf. Seine Mutter (75) und zwei Töchter (15 und 19) starben in den Flammen.

Hamas gut organisiert

Mit Folterungen und Mordbrennerei tragen die Palästinenserorganisationen ihren Machtkampf aus. Dabei tritt die Hamas deutlich besser organisiert auf. "Die Fatah-Kämpfer sind Banden, die sich um einzelne Anführer scharen. Es gibt keine vereinte Führung", sagt ein palästinensischer Beobachter, der nicht genannt werden will. "Die Polizei ist unterbezahlt und unmotiviert. Die Hamas hat dagegen eine Armee zur Verfügung. Tausende Mann unter Waffen. Und es scheint, dass sie unerbittlich einen Plan umsetzen."

Zivilisten im Gazastreifen sind schockiert über das Ausmaß der Gewalt. Die Verrohung wird einmal als Folge des Kampfes gegen Israel beschrieben, ein anderes mal im Zusammenhang mit der allgemeinen Hoffnungslosigkeit im Gazastreifen gesehen.

Als ein Grundproblem bleibt, dass die Palästinenser mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der Hamas von Ministerpräsident Ismail Hanija zwei politische Führungen mit unterschiedlichen Programmen beauftragt haben. Zu Zeiten des Palästinenserführers Jassir Arafats hat die internationale Gemeinschaft ein solches System favorisiert, um die Amtsmacht Arafats zu beschneiden. In der Zeit nach Arafat, der im November 2004 starb, befördert dieses System den Machtkampf. (mit dpa)