Gazastreifen : Israel will gezielte Angriffe und Tötungen ausweiten

Die israelische Regierung hat heute den Gazastreifen offiziell zum "feindlichen Gebiet" erklärt. Gleichzeitig wurde eine Kürzung der Energielieferungen in die Region angekündigt. Eine große Bodenoffensive schloss Verteidigungsminister Barak aus.

Jerusalem"Die islamistische Bewegung Hamas ist eine terroristische Organisation, die die Kontrolle im Gazastreifen übernommen und ihn zu feindlichem Gebiet gemacht hat", erklärte das Büro des Regierungschefs. Es kündigte weitere militärische Offensiven sowie die Einschränkung von Warenlieferungen und der Öl- und Stromversorgung an. Die Hamas kritisierte die Erklärung Israels als "Kollektivstrafe". Die Erklärung ist eine Reaktion auf den Raketenbeschuss Israels vom Gazastreifen aus.

Die israelische Regierung warf der Hamas vor, für "feindliche Aktivitäten gegen den Staat Israel und seine Bürger" verantwortlich zu sein. Die Versorgung werde nach einer juristischen Prüfung und unter Berücksichtigung humanitärer Aspekte gedrosselt. Der Gazastreifen hängt stark von der israelischen Belieferung ab, die etwa 70 Prozent der Stromversorgung ausmacht. "Das ist Israels Antwort auf den anhaltenden Kassam-Beschuss", sagte ein Regierungsvertreter. Israel kritisiert, dass die Hamas nichts gegen den Beschuss seines Gebiets durch Kassam-Raketen unternimmt.

Hamas: "Der israelische Feind trägt die Verantwortung für die Eskalation"

Die Hamas-Regierung im Gazastreifen kündigte an, mit den Verantwortlichen für die Umsetzung der "drastischen Maßnahmen" in Kontakt zu treten. Die Drohungen würden sehr ernst genommen, sagte Regierungssprecher Taher al Nunu. "Der israelische Feind trägt die Verantwortung für diese folgenschwere Eskalation und für jegliches Gemetzel und jede Dummheit, die begangen werden", warnte er.

Laut der Website der Zeitung "Jediot Ahronot" schließt Verteidigungsminister Ehud Barak eine groß angelegte Bodenoffensive im Gazastreifen zum jetzigen Zeitpunkt aus. Stattdessen sollten gezielte Angriffe und Tötungen ausgeweitet werden.

Die Erklärung fiel mit der Ankunft von US-Außenministerin Condoleezza Rice in Israel zusammen. In Gesprächen mit beiden Seiten wollte die Chefdiplomatin den seit sieben Jahren brachliegenden Nahostfriedensprozess voranbringen und eine internationale Konferenz zu dem Thema vorbereiten, die im Herbst in Washington stattfinden soll. (mit AFP/dpa)