Gazastreifen : Israels Luftwaffe greift an

Wieder fliegen aus dem Gazastreifen die Raketen radikaler Kämpfer über die Grenze nach Israel. Von dort aus antwortet die israelische Luftwaffe mit Angriffen.

Gaza/KairoNach dem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen hat die israelische Luftwaffe am Montag bei einem Angriff in Rafah einen Palästinenser getötet und vier weitere verletzt. Mehrere Luftangriffe folgten der von Ministerpräsident Ehud Olmert ausgesprochenen Drohung, auf Angriffe radikaler Palästinenser hart zu reagieren. Ägypten unternahm einen neuen Anlauf zur Vermittlung einer längerfristigen Waffenruhe.
  
Der israelische Luftangriff vom Montag zielte auf ein Fahrzeug, in dem Mitglieder des Komitees des Volkswiderstands saßen, einer kleinen radikalen Palästinensergruppe. Ein israelischer Armeesprecher bestätigte den neuerlichen Angriff. In der Nacht hatten israelische Flugzeuge eine Polizeiwache sowie mehrere Schmugglertunnel im Süden des Gazastreifens bombardiert. Von dort wurden am Sonntag mehr als zehn Raketen und Granaten auf Israel abgeschossen, wie ein Armeesprecher sagte. Dabei seien ein Zivilist und zwei Soldaten verletzt worden. Grundsätzlich gilt seit dem 18. Januar eine Waffenruhe, die von beiden Seiten getrennt ausgerufen und im Wesentlichen beachtet wurde.
  
Der ägyptische Präsident Husni Mubarak konferierte in Kairo zwei Stunden lang mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem saudischen Außenminister Saud el Faisal. Sie wollten eine gemeinsame Position der gemäßigten Kräfte im Nahost-Konflikt ausarbeiten. Syrien, der Iran und Katar stehen für eine härtere Linie. Am Abend wurde in Ägypten eine Delegation der Hamas erwartet.

Hamas fordert Öffnung aller Grenzübergänge
  
Die radikalislamische Hamas-Organisation bekräftigte, dass sie einen länger dauernden Waffenstillstand nur bei einer gleichzeitigen Öffnung der Grenzübergänge akzeptieren werde. "Wir sind im Prinzip einverstanden mit einem Waffenstillstand von einem Jahr", sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum in Gaza. Die Hamas habe auch dem ägyptischen Vorschlag einer eineinhalbjährigen Waffenruhe noch keine klare Absage erteilt. "Aber ob es um ein oder eineinhalb Jahre geht: Die Bedingung ist eine Öffnung aller Grenzübergänge einschließlich Rafah, und die Aufhebung der Blockade", sagte Barhum.
  
Die Hamas strebt nach den Worten ihres Sprechers in Beirut, Usama Hamdan, eine Umstrukturierung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) an und setzt sich dafür ein, dass sie selbst und der Islamische Dschihad in die PLO aufgenommen werden. Dafür könne ein unter ägyptischer Vermittlung im Jahr 2005 geschlossenes Abkommen als Grundlage dienen, sagte Hamdan. Er warf Palästinenserpräsident Abbas vor, dieses Abkommen nicht zu beachten. Abbas hatte am Sonntag in Kairo erklärt, der innerpalästinensische Dialog könne nur mit jenen Gruppen geführt werden, die die PLO anerkennen.

Irland will helfen
  
Der syrische Präsident Baschar el Assad forderte ein stärkeres Engagement der EU im Nahen Osten. Wie die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, setzte sich Assad am Montag bei einem Gespräch mit dem irischen Außenminister Micheal Martin dafür ein, dass "die europäische Rolle in der Region aktiviert werden" müsse. Martin erklärte, Irland wolle erreichen, dass die Beziehungen zwischen Syrien und den Europäern vorankämen und dass möglichst bald ein Assoziierungsabkommen unterzeichnet werden könne.
 
Der Chef des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, erklärte in Genf, zu einem "aufrichtigen Frieden" gebe es keine Alternative. Angesichts seiner Erlebnisse vor Ort sei er nicht länger bereit, einen "rein humanitären Diskurs" zu führen, sagte Kellenberger. Er kritisierte den Einsatz großkalibriger Waffen in einem so dicht besiedelten Gebiet wie dem Gazastreifen. Die Uno kündigte an, sie werde die israelischen Angriffe auf UN-Einrichtungen während der 22-tägigen israelischen Offensive untersuchen. (mpr/AFP)