Gazastreifen : UN erwägen Friedenstruppe

Der Krieg zwischen den verfeindeten Palästinensergruppen Hamas und Fatah wird immer heftiger. Die Hamas hat inzwischen weite Teile des Gazastreifens unter ihre Kontrolle gebracht. Der Ruf nach dem Einsatz einer UN-Friedenstruppe wird lauter.

Gaza
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Gaza/Berlin/WashingtonAngesichts des eskalierenden Kriegs zwischen den verfeindeten Palästinensergruppen Hamas und Fatah wird der Ruf nach dem Einsatz einer internationalen Friedenstruppe im Gazastreifen lauter. Er habe bereits mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert über diese Möglichkeit gesprochen, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Rande einer Sicherheitsratssitzung vor Journalisten in New York. Jedoch gebe es noch viele Fragen zu klären. Olmert hatte gefordert, im Gazastreifen eine internationale Truppe zu stationieren, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Telefonat zwischen Abbas und Olmert

Bei einem Telefonat am Dienstag habe Palästinenserpräsident Abbas ihn auf den möglichen Einsatz einer Friedenstruppe angesprochen, sagte Ban. Abbas habe ihn aufgefordert, einen solchen Einsatz zu erwägen. Auch Olmert habe das Thema angesprochen. Er müsse nun aber zunächst mit den betroffenen Länder über weitere Detailfragen beraten, sagte Ban.

Die Hamas wies die Forderungen nach einer internationalen Friedenstruppe für den Gazastreifen zurück. "Wir werden mit einer solchen Truppe wie mit einer Besatzungstruppe umgehen", sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri. Bis auf weiteres betrachte Hamas die Stationierung einer internationalen Truppe als Versuch, in dem Machtkampf der Palästinenser eine Seite auf Kosten der anderen Seite zu stärken.

Abbas kündigt Erklärung an

Unterdessen kündigte Präsident Mahmud Abbas eine "entscheidende" Erklärung zur Zukunft der palästinensischen Einheitsregierung an. Wie ein Präsidentenberater sagte, trifft er sich noch heute mit führenden Palästinenserpolitikern zu Beratungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich besorgt über die Lage in den Palästinensergebieten. Am Mittwochabend telefonierte Merkel mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Ministerpräsident Ehud Olmert. Abbas habe Merkel die kritische Lage in den Palästinensergebieten erläutert, teilte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mit. Die Bundeskanzlerin sagte Abbas ihre Unterstützung zu. Olmert sagte seinerseits der Kanzlerin zu, weiterhin mit Abbas zusammenzuarbeiten.

Hamas stellt Ultimatum

Am Mittwoch hatte die radikal-islamische Hamas weite Teile des Gazastreifens unter ihre Kontrolle gebracht. "Bis auf vier Hauptquartiere in Gaza haben wir die Kommandoposten der Polizei komplett eingenommen", sagte Hamas-Sprecher Abu Obeida. In einem Flugblatt stellte die Kassam-Miliz der Hamas den Polizeikräften ein 48-stündiges Ultimatum zur Niederlegung der Waffen. Bei den Kämpfen starben allein am Mittwoch erneut mindestens 23 Menschen und damit mehr als 70 seit Ausbruch des Bruderkrieges. (mit dpa)