Gazastreifen : Waffenruhe: Israel fordert Freilassung von Schalit

Im Nahostkonflikt stehen sich Israel und die radikale Hamas mit harten Forderungen gegenüber. Es geht vor allem um den entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Israel will nur auf eine Waffenruhe eingehen, falls Schalit freigelassen wird - die Hamas will einen Gefangenenaustausch.

Gilad Schalit
Gilad Schalit. -Archivbild: dpa

JerusalemIsrael hat die Forderung nach einer Freilassung des 2006 entführten Soldaten Gilad Schalit als Bedingung für eine Waffenruhe im Gazastreifen und eine Grenzöffnung bekräftigt. Das Sicherheitskabinett des scheidenden israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert fasste am Mittwoch einstimmig einen entsprechenden Beschluss, wie der israelische Rundfunk meldete. Die radikale Palästinenserorganisation Hamas lehnte bei Waffenruheverhandlungen unter ägyptischer Vermittlung bislang eine Verknüpfung zwischen den beiden Fragen ab und wollte einen Häftlingsaustausch gesondert verhandeln.

Seit Ende der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen am 18. Januar bemühen sich ägyptische Vermittler um eine dauerhafte Waffenruhe zwischen beiden Seiten. Dabei fordert die Hamas, die seit eineinhalb Jahren das Küstengebiet kontrolliert, die Aufhebung der Wirtschafts- und Handelsblockade sowie die Öffnung der Grenzen für den Warenverkehr. Im Gegenzug für die Freilassung des vor fast drei Jahren von militanten Palästinensern unter Hamas-Kommando entführten Schalits fordert sie die Freilassung Hunderter palästinensischer Häftlinge. Die Familie Schalits warnte am Dienstag, die Verhandlungen über eine Waffenruhe seien "die letzte Chance, Gilad zurückzubringen".

Hamas und die Arabische Liga warfen Israel am Dienstagabend vor, eine dauerhafte Waffenruhe im Gaza-Streifen zu behindern. Israel sei verantwortlich für die Verzögerung eines Abkommens, sagte der im syrischen Exil lebende Hamas-Führer Chaled Maschaal in Damaskus. Israel habe in letzter Minute neue Bedingungen für den von Ägypten vermittelten Waffenstillstand gestellt. "Jedes Mal, wenn wir eine neue Stufe erreichen, erhöht Israel seine Forderungen und Bedingungen", beklagte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa.

Wieder Kochgas im Gazastreifen

Erstmals seit zwei Wochen erlaubte Israel am Mittwoch die Einfuhr von Kochgas in den Gazastreifen, wie palästinensische Repräsentanten mitteilten. Nach Angaben des Verbands der Tankstellenbesitzer wurde jedoch nur eine ungenügende Menge von Gas zugelassen. Auch das einzige Kraftwerk im Gazastreifen sollte am Mittwoch erneut mit Treibstoff versorgt werden.

Der israelische Staatspräsident Schimon Peres bezeichnete die Räumung des Gazastreifens im Jahr 2005 am Mittwoch überraschend als "Fehler". "Wir werden den Fehler, den wir begangen haben, als wir Gaza verließen, nicht wiederholen", sagte der Friedensnobelpreisträger nach Rundfunkangaben bei einer Konferenz in Jerusalem. Der einseitig vollzogene Schritt hätte damals anders erfolgen müssen, sagte er, nannte aber keine Einzelheiten. Peres erklärte, er sei damals auch für eine Räumung der israelischen Siedlungen in dem Palästinensergebiet gewesen.

Die Gewalt in der Region dauerte unterdessen an: Militante Palästinenser feuerten am Mittwoch erneut eine Mörsergranate auf israelisches Gebiet ab. Ein Armeesprecher sagte, sie sei in einer Ortschaft nördlich von Gaza gelandet, habe aber keinen Schaden verursacht. In der Nacht hätten israelische Kampfflugzeuge Ziele im Süden des Gazastreifens angegriffen, bestätigte er. Dabei wurden sieben Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten bombardiert. Zudem sei ein Hamas-Kontrollpunkt in Chan Junis angegriffen worden. (mhz/dpa)