GAZETELER Rückblick : „Ein Flughafen ist kein FKK-Strand“ Wie türkische Blätter über die Nacktscanner-Pläne berichteten

Suzan Gülfirat

Über die Nacktscanner, die an europäischen Flughäfen eingerichtet werden sollten, berichteten in dieser Woche auch die türkischen Zeitungen – allerdings in recht knappem Umfang. Eventuell wollte man dem Schamgefühl der Leser nicht mehr zumuten. „Nackter Einstieg ins Flugzeug“, titelte am Freitag zum Beispiel die türkische Boulevardzeitung „Hürriyet“. Dazu zeigte das Blatt, ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie es aussieht, wenn man breitbeinig und mit erhobenen Armen hinter diesem Scanner steht. In einem kurzen Anriss darunter brachte die Zeitung nur in wenigen Worten die wesentlichen Fakten. Die Fortsetzung gab es auf der Titelseite der Europa-Beilage, denn das Thema betraf die Türkei als Nicht-EU-Mitglied schließlich nur indirekt. „Die als Bodyscanner bezeichneten Geräte durchleuchten die Körper so, dass als sei man gerade geboren“, schrieb die „Hürriyet“.

Der Bericht in der „Türkiye“ war ausführlicher. Aber auch diese Zeitung hielt das Thema klein. Nicht einmal ein Foto zeigte die „Türkiye“, die mehr religiöse Leser hat. Vielleicht deshalb verzichtete die „Türkiye“ selbst im Text darauf zu beschreiben, wie Personen hinter diesem Scanner aussehen. Lediglich ein Zitat der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke (Linkspartei) gab es für die Leser: „Ein Flughafen ist kein FKK-Strand.“

Am Sonnabend gaben schließlich auch die türkischen Zeitungen Entwarnung. Die „Hürriyet“ zeigte das Foto vom Vortag und zitierte jetzt weitere Politiker. „SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz erklärte, dass er diese Maßnahme für übertrieben halte“, schrieb die „Hürriyet“. Danach kam ein Zitat: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dem zustimmen können.“ Die „Milliyet“, die als liberale Zeitung gilt, berichtete erstmals an diesem Tag, aber selbst für die Leser dieser Zeitung mussten einige Zeilen und zwei Fotos reichen. Vielleicht war die Erleichterung groß, sich mit diesem heiklen Thema nicht weiter befassen zu müssen. Suzan Gülfirat

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