GDL-Streiks : Bahn will mit Ersatzfahrplan die Lokführer auskontern

Vor dem 30-Stunden-Streik bei der Bahn demonstrieren beide Seiten Stärke im Tarifkonflikt. Die Bahn will mit einem Ersatzfahrplan Ausfälle kompensieren und die GDL ist vom Erfolg des Ausstandes überzeugt. Nur der Kunde steht am leeren Bahnsteig.

Berlin/FrankfurtDie Bahn will an den bevorstehenden Streiktagen bundesweit mindestens die Hälfte der Nahverkehrszüge fahren lassen. "Wir werden unseren Kunden im Nahverkehr einen stark eingeschränkten, aber verlässlichen Ersatzfahrplan anbieten", betonte Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) rechnet dennoch mit einem Erfolg ihres Streiks, zu dem sie von von Donnerstag, 2 Uhr bis Freitag, 8 Uhr, aufgerufen hat. Die jüngste Umfrage zu dem Tarifkonflikt deutet darauf hin, dass die GDL in der Bevölkerung nach wie vor Sympathie genießt.

"Wir sind sicher, dass der Streik Wirkung haben wird", sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert in Frankfurt. Die Bahn habe nicht genug Personal, um bei einer Dauer von 30 Stunden die streikenden Lokführer zu ersetzen. "Es wird immer Züge geben, die fahren, aber viele Züge werden stehenbleiben", sagte sie. Auch in der kommenden Woche seien Streiks nicht ausgeschlossen. Darüber werde die GDL aber frühestens am Freitag nach dem Ende des 30-Stunden-Streiks entscheiden.

Bahn-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch nannte das Vorgehen der GDL "zynisch". Noch am Freitag habe die Gewerkschaft Streiks "mit der vorgetäuschten Begründung" abgesagt, Rücksicht auf die Pendler nehmen zu wollen. Jetzt trage sie die Auseinandersetzung 30 Stunden lang "vor allem auf dem Rücken von Schülern und Berufstätigen" aus.

Mehrheit der Deutschen reagiert mit Verständnis

Die Mehrheit der Bundesbürger unterstützt in dem Tarifkonflikt einer Emnid-Umfrage zufolge die GDL. Demnach erklärten sich 59 Prozent der Befragten solidarisch mit der GDL. Etwa 32 Prozent gaben an, sie stünden eher auf Seiten der Bahn. Das Meinungsforschungsinstitut Emnid hatte für den Sender N24 von Montagnachmittag an, also nach Ankündigung des 30-Stunden-Streiks, rund 1000 Menschen befragt.

Eine klare Mehrheit von 64 Prozent ist allerdings gegen einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer, 32 Prozent halten diese Forderung der Gewerkschaft für richtig. Eine Umfrage des Forsa-Instituts hatte in der vergangenen Woche noch eine sinkende Zustimmung für die Position der GDL registriert.

Die Ersatzfahrpläne für Donnerstag und Freitag sollen von Mittwochmittag an unter der Adresse www.bahn.de/aktuell im Internet stehen, teilte die Bahn mit. Rund um die Uhr ist auch das kostenlose Info-Telefon unter der Nummer 08000 99 66 33 geschaltet.

Besonders S-Bahnen und Ostdeutschland betroffen

Wie an den bisherigen Streiktagen erwartet die Bahn auch diesmal, dass die ostdeutschen Bundesländer und die S-Bahnen in München und Berlin von den Einschränkungen besonders stark betroffen sein werden. Bei der Berliner S-Bahn sei in der Innenstadt dennoch ein 10- bis 20-Minuten-Takt geplant. Bis Freitagabend werde es im Eisenbahnverkehr "spürbare Verspätungen" geben.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck kritisierte das Eintreten der GDL für einen eigenen Tarifvertrag. "Die Forderung, in einem Betrieb für die gleiche Tätigkeit zwei Tarifverträge mit unterschiedlichen Leistungen zu wollen, ist nicht gut für den Betriebsfrieden", sagte Beck den "Ruhr Nachrichten". Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident sagte, er habe nichts gegen tarifliche Auseinandersetzungen. Die GDL organisiere aber nur einen kleinen Teil der Bahn-Mitarbeiter und Lokführer. Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich merkte dazu an, diese Aussage zeige, "dass Beck keine Ahnung vom Thema hat". Tatsächlich seien rund 80 Prozent der Lokführer in der GDL organisiert. (mit dpa)