Der Tagesspiegel : Gefängnisneubau: Neue Haftanstalt für 82 Millionen Mark

Claus-Dieter Steyer

Der erste Gefängnisneubau in Brandenburg seit der Wende ist gestern im Neuruppiner Ortsteil Wulkow offiziell übergeben worden. Für 82 Millionen Mark entstand auf dem Gelände einer früheren russischen Kaserne ein Bau mit 300 Haftplätzen für Männer. Davon gehören 260 zum geschlossenen Vollzug, 40 zum offenen. Diese befinden sich vorwiegend in Einzelhafträumen. Wenn ab 28. April die ersten Häftlinge einziehen, sollen die teilweise mehr als 100 Jahre alten Gefängnisse in Prenzlau, Neuruppin und Potsdam geschlossen werden. Das neue Haus bietet 135 krisensichere Arbeitsplätze.

Als einen "Meilenstein in der Entwicklung der Brandenburger Justiz" bezeichnete Justizminister Kurt Schelter den Neubau. Ausdrücklich dankte er seinem Vorgänger Hans Otto Bräutigam und der Landesregierung für ihre Weitsicht, als sie 1995 ein Programm für die Verbesserung der Situation im Strafvollzug in Höhe von 600 Millionen Mark beschlossen hätten. Damals hatte sich allerdings die Zahl der Ausbrüche dramatisch erhöht. "Seit Oktober 1999 ist keine Flucht aus dem geschlossenen Vollzug mehr zugelassen worden", sagte Schelter. Vorsichtshalber klopfte er aber gleich auf Holz. "Man kann nie wissen", meinte er vieldeutig.

Die neue Haftanstalt ist laut der Architektin Birgit Jürgens ein "Mikrokosmos hinter Mauern". Hier gebe es alles, was die Gefangenen auch von außerhalb kennen: Straßen, Plätze, öffentliche Gebäude, Arztstationen und Sportplätze. "Ich wollte nicht mit der Art des Baus die Strafgefangenen zusätzlich bestrafen", sagte Jürgens. Die zweistöckigen Haftgebäude werden von einer insgesamt 1150 Meter langen und sechs Meter hohen Mauer umgeben.

Am Jahresende wird eine weitere Haftanstalt in Cottbus-Dissenchen mit 600 Plätzen fertiggestellt. Ein weiteres Gefängnis entsteht bis 2004 in Duben bei Luckau. Derzeit gibt es in Brandenburg 2400 Gefangene, die sich 2195 Haftplätze teilen müssen.

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