Der Tagesspiegel : Gegen die Regeln der Kunst

Wer haftet für Bauschäden, wenn der Bauherr bewusst technische Risiken eingehen möchte?

WAS STEHT INS HAUS?

Ich bin als Architekt beauftragt, Mangelbeseitigungsmaßnahmen an einem Gebäude zu planen und auch die Bauausführung zu überwachen. In der Planungsphase stellte sich heraus, dass eine Mangelbeseitigung sehr aufwendig und teuer wird, wenn sie nach den Regeln der Technik ausgeführt wird. Der Eigentümer möchte daher Alternativen ausführen lassen, die nicht den Regeln der Technik entsprechen. Solche Ausführungen haben nicht immer Erfolg. Wer trägt die Verantwortung und welches Risiko besteht? Hafte ich als Architekt trotzdem für die entstehenden Schäden? WAS STEHT IM GESETZ?

Nach den einschlägigen Grundsätzen der Planung hat ein Architekt oder Ingenieur Planungen zu erbringen, die den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Diese planerischen Grundsätze sind inhaltlich in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) gefasst. Die jeweilige Ausführungsart ist in weiteren technischen Regelwerken wie der Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB), DIN-Normen sowie anderen Regelwerken aufgeführt. Da es sich bei der Planung um eine beratende Dienstleistung handelt, ist der Architekt verpflichtet, nach den anerkannten Regeln der Technik zu planen. Weicht er in seinen Planungen von diesen anerkannten Regeln ab, plant er auch dann mangelhaft, wenn die ausgeführte Konstruktion schadensfrei bleiben sollte. Dringt der Eigentümer aus Kostengründen auf eine Ausführung entgegen den technischen Regeln, sollte der Architekt sich diese Entscheidung schriftlich geben und sich hierbei bestätigen lassen, dass er den Eigentümer umfänglich auf daraus resultierende Risiken, wie etwaig wieder auftretende Bauschäden, hingewiesen hat. Er sollte auch darauf dringen, eine Haftungsfreistellung für ggf. daraus entstehende Schäden zu bekommen. Ist allerdings das Risiko der alternativen Ausführung sehr groß oder drängt der Eigentümer aus Kostengründen auf eine Falschausführung ohne sichtbaren Werkerfolg, ist eine weitere Leistungserbringung ziellos und aus Haftungsgründen unzumutbar.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Wird von Ihnen eine regelwidrige Planung verlangt oder die Bauüberwachung einer regelwidrigen Ausführung gefordert, sollten Sie unbedingt darauf dringen, sich von jeglicher Haftung für den Fall befreien zu lassen, dass die Mängel sich nicht Erfolg versprechend beseitigen lassen. Sie würden somit technische Ausführungen zulassen, die keinen Erfolg bringen können. Werden bei regelwidriger Ausführung Dritte geschädigt, hilft Ihnen auch keine Haftungsbefreiung. Die Haftung gegenüber Dritten bleibt erhalten, so dass Sie weiterhin verantwortlich sind. In diesem Fall kann Ihre weitere Tätigkeit für Sie unzumutbar werden. Es erscheint daher nicht sinnvoll, das Vertragsverhältnis aufrecht zu erhalten. Den künftigen Spaß an solchen „Versuchsbaustellen“ sollten Sie dem beratungsresistenten Eigentümer selbst überlassen.

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