Geheimdienste : CIA setzte Mafia auf Castro an

Der US-Geheimdienst hat Akten zu illegalen Aktivitäten frei gegeben aus denen hervorgeht, dass die CIA Gangsterbosse für die Ermordung von Kubas Staatschef Fidel Castro angeheuert hatte. Der "Máximo Líder" sollte vergiftet werden. Aber die CIA hat noch andere Leichen im Keller.

WashingtonDie CIA hat vor mehreren Jahrzehnten einen Mordanschlag auf Kubas Staatschef Fídel Castro mit Hilfe von Schwerverbrechern geplant. Laut Archivmaterial aus den 50er bis 70er Jahren, das der US-Geheimdienst im Internet veröffentlichte, sollten Mafiabosse für 150.000 Dollar für eine Vergiftung des "Máximo Líder" mit Tabletten rekrutiert werden. Die fast 700 Seiten umfassenden Dokumente, die bislang unter höchster Geheimhaltung standen, geben außerdem Aufschluss über weitere Mordpläne, über die illegale Überwachung von Vietnamkriegsgegnern und Journalisten und über Drogenexperimente an ahnungslosen Opfern.
  
Für das geplante Attentat an Castro wählte die CIA demnach den Mafiaboss Johnny Roselli aus, der mit richtigem Namen Santos Trafficant hieß. Der wiederum habe für die "heikle Mission, die Gangster-artiges Vorgehen erfordert" unter dem Tarnnamen Sam Gold den Nachfolger des legendären Chicagoer Gangsterbosses Al Capone, Salvatore "Momo" Giancana, angeheuert. Beide Männer standen auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA, wie die umfassende Akte zu dem Fall aus dem Jahr 1973 weiter preisgibt. Vor der US-Regierung wurde die Mission demnach geheim gehalten.
  
Die CIA führte eine Todesliste

Der Mordversuch schlug den Angaben zufolge fehl, weil das kubanische Regierungsmitglied Juan Orta, dem die Pillen für Castro überreicht worden waren, nach mehreren erfolglosen Anläufen kalte Füße bekam und den Auftrag zurückgab. Daraufhin hätten sich auch Roselli und Gold zurückgezogen.
  
Außer dem kubanischen Staatschef, der nach wie vor im Amt ist, standen laut den behördenintern als "Familienschmuck" bezeichneten Dokumenten auch der Anführer der Unabhängigkeitsbewegung im Kongo, Patrice Lumumba, sowie der Machthaber der Dominikanischen Republik, Rafael Trujillo, auf der Todesliste des Geheimdienstes.
  
Jane Fonda bespitzelt

Der Überwachung von Vietnamkriegsgegnern, bei der unter anderem private Post geöffnet und bei ehemaligen CIA-Mitarbeitern eingebrochen worden sei, fiel demnach auch die Schauspielerin Jane Fonda zum Opfer.
  
Über die Akten mit den illegalen Aktivitäten des Geheimdienstes hatte CIA-Direktor Michael Hayden in der vergangenen Woche auf einer Historikerkonferenz gesagt: "Das meiste davon ist nicht sehr schmeichelhaft, aber das ist nun einmal die Geschichte der CIA." Die Dokumente gewährten einen Einblick "in eine ganz andere Epoche", sagte Hayden weiter.
  
Das Archiv war 1973 auf Anordnung des damaligen CIA-Direktors James Schlesinger angelegt worden, der sich einen Überblick über die "Leichen im Keller" des Geheimdiensts verschaffen wollte. Nur ein kleiner Kreis von Geheimdienstmitarbeitern, Ausschussmitgliedern des Kongresses und Mitarbeitern des Weißen Hauses hatte bisher Zugang. Historiker und Journalisten hatten bislang vergeblich auf Herausgabe der Dokumente geklagt. (mit AFP)