Geheimdienste : Moskau erhebt Spionagevorwürfe gegen London

Der britische Geheimdienst MI-6 soll im Zuge der Affäre um den vermutlich vergifteten Ex-Spion Litwinenko versucht haben, russische Geheimdienstler auf ihre Seite zu ziehen. Ein russischer Agent habe gestanden, Kontakt mit den Briten gehabt zu haben.

MoskauNach dem Giftmord an dem russischen Kreml-Kritiker und Ex-Agenten Alexander Litwinenko in Großbritannien sorgen neue Spionage-Vorwürfe für Spannungen zwischen Moskau und London. Der russische Geheimdienst FSB berichtete, der britische Geheimdienst MI-6 habe im Zuge der Affäre Litwinenko einen Russen angeworben. "Aus Angst um sein Leben" habe dieser sich später beim FSB gemeldet und alles gestanden, sagte FSB-Sprecher Sergej Ignatschenko im russischen Fernsehen. Britische Agenten hätten den Russen nach der Pressekonferenz des Hauptverdächtigen im Litvinenko-Mord, des russischen Ex-KGB-Mannes Andrej Lugowoj, rekrutiert.

Nach der Pressekonferenz Ende Mai habe der britische Geheimdienst dem Russen ein sofortiges Treffen "in einer britischen Stadt" vorgeschlagen, sagte Ignatschenko dem russischen Fernsehsender NTV: Der Mann "hat seine Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst gestanden, Agenten benannt und die Städte und Länder aufgezählt, in denen geheime Treffen vereinbart worden sind". Der von Großbritannien unter Anklage gestellte Ex-KGB-Agent Lugowoj hatte auch Litwinenko beschuldigt, im Dienst des MI-6 gestanden zu haben; der britische Geheimdienst sei in den Giftmord verstrickt. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte den russischen FSB-Chef Nikolai Patruschew mit den Worten, seine Leute untersuchten die Vorwürfe und wollten Ermittlungen einleiten.

Die Litwinenko-Affäre hat die britisch-russischen Beziehungen schwer belastet. Großbritannien forderte Russland auf, Lugowoj auszuliefern, was Moskau aber ablehnt. Lugowoj wird vorgeworfen, Litwinenko Ende 2006 in London mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet zu haben. Dem 43-jährigen Litwinenko war in Großbritannien politisches Asyl zuerkannt worden. Ende November war er nach wochenlangem Leiden an der Polonium-Vergiftung gestorben. In einem kurz vor seinem Tod verfassten Brief beschuldigte er den russischen Präsidenten Wladimir Putin, Drahtzieher des Mordanschlags zu sein. Lugowoj, der sich kurz zuvor mit Litwinenko getroffen hatte, geriet rasch ins Visier der Ermittler.