Der Tagesspiegel : „Gehen Sie in Stoibers Wahlkampf-Team?“

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Gestern vermeldeten einige Zeitungen, dass Edmund Stoiber Sie in das Führungsteam der CDU für den Bundestagswahlkampf berufen will. Hat Sie die Nachricht überrascht?

Es gibt dazu weder einen Beschluss noch eine Entscheidung, noch sind mit mir Gespräche geführt worden. Allerdings kenne ich die Neigung von Journalisten zu Spekulationen, gerade in Personalfragen.

Und wenn Edmund Stoiber Sie tatsächlich fragen würde?

Ich bleibe dabei: Kein Kommentar.

Hat das auch etwas damit zu tun, dass Sie Ihr zweites Kind erwarten?

Nein, überhaupt nicht. Mein Mann und ich freuen uns sehr auf das Baby, weil wir Kinder für ein großes Geschenk halten.

Trauen Sie sich zu, auch mit zwei kleinen Kindern politisch aktiv zu sein?

Aber ja. Ich habe eine intakte Familie im Hintergrund: einen Mann, Eltern und Schwiegereltern, die mich auch bisher bei der Betreuung meiner Tochter sehr unterstützt haben. Da haben es andere Frauen schwerer. Denken Sie nur an die vielen allein stehenden Mütter, die nicht selbst entscheiden können, wann sie Termine wahrnehmen und wie sie sich die Arbeit einteilen.

Sie sprechen immer von Ihrem Mann?

Wir leben schon lange zusammen, wenn auch noch ohne Trauschein, da ist die Bezeichnung „mein Mann“ sicher zutreffend. Da ich aber Ihre nächste Frage schon ahne – ja, wir haben vor zu heiraten, werden dies aber nicht in der Öffentlichkeit zelebrieren. Wir sind beide der Meinung, dass auch Politiker ein Recht auf ein Privatleben haben.

Sie haben mit 28 Jahren eine steile Karriere hinter sich, sind spätestens seit ihrer Berufung zur Beauftragen für Humangenetik auch deutschlandweit bekannt geworden. Manche sehen in Ihnen deshalb eine „zweite Ost-Quoten-Frau à la Claudia Nolte“.

Mit solchen Einschätzungen als Quoten-Frau tut man Claudia Nolte Unrecht. Sie hat als Familienministerin Wichtiges erreicht. Ich denke da an die Einführung des Rechtsanspruchs für Kinder ab dem dritten Lebensjahr auf einen Kindergartenplatz oder ihren Kampf gegen Gewalt in der Ehe – ein Problemfeld, das lange Zeit ein Tabu war. Außerdem hinken Vergleiche immer, Claudia Nolte und ich haben unterschiedliche Persönlichkeiten. Und es gibt im Osten viele Frauen, die kompetent sind.

Unabhängig vom Wahlkampfteam Stoibers und vom Ausgang der Bundestagswahl – worin sehen Sie Ihre politischen Ziele in den nächsten Jahren?

Vor allem in der Verbesserung der Situation in den neuen Ländern, die durch die höchste Arbeitslosigkeit seit 1990 gekennzeichnet ist und durch Abwanderung junger Menschen. Dieser Trend muss gestoppt werden.

Das wollen alle. Haben Sie ein Rezept?

Priorität hat der Ausbau der Infrastruktur. Wissenschaft und Wirtschaft müssen stärker vernetzt und die bürokratischen Hürden beispielsweise bei Existenzgründungen müssen abgebaut werden. Das könnte ein Standortvorteil in den neuen Ländern werden. Außerdem werde ich mich auch weiterhin in der Bio- und Gentechnologie engagieren. Da gibt es viel zu tun. Und – nicht zuletzt aus eigener Erfahrung – möchte ich mich dafür einsetzen, dass Frauen ihre Familie und ihren Beruf besser vereinbaren können.

Das Interview führte Sandra Dassler

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