Der Tagesspiegel : Geiselnahme in Wandlitz mit Jiu-Jitsu beendet Überfall auf Sparkasse: Polizei konnte

den Bankräuber mit Kampfsporttechnik überwältigen

Claus-Dieter Steyer

Wandlitz. In Wandlitz ist gestern eine Geiselnahme in der örtlichen Sparkasse unblutig von der Polizei beendet worden. Ein maskierter Mann stürmte gegen 14 Uhr mit einer Pistole in der Hand die kleine Sparkasse an der Bundesstraße 109 Berlin-Prenzlau. Er richtete seine Waffe auf die beiden Angestellten und fordert Bargeld. In ihrer Angst folgten die beiden Frauen der Aufforderung und reichten ihm eine fünfstellige Summe an Geldscheinen über den Tresen. Doch zur gleichen Zeit wurde der Alarmknopf gedrückt. Ein Streifenwagen der Polizei im nahen Bernau raste sofort an den Tatort.

„Vorsicht! Der Mann ist bewaffnet“, heißt es im später ausgedruckten Dienstprotokoll des Geschehens. Acht Ausrufezeichen stehen dahinter, so dass die beiden Polizisten mit größter Vorsicht zu Werke gehen sollten. „Zugriff bei günstiger Gelegenheit. Unbedingt eine Zuspitzung der Lage verhindern“, lautet die Anweisung des diensthabenden Schutzbereichsleiters. Später stellte sich heraus, dass es sich um eine Schreckschusspistole handelte. Nach rund zehn Minuten hat der Streifenwagen den Tatort in der Prenzlauer Chaussee erreicht. Unterwegs erfährt die Besatzung von der Funkzentrale weitere Einzelheiten: „Der Täter nahm eine Angestellte als Geisel und bedroht sie.“

Vor der Sparkasse in Wandlitz hat sich zu diesem Zeitpunkt schon richtig was los. Die Filiale liegt an einer belebten Straße, und so hatten viele Menschen mitgekommen, dass irgendwas passiert ist. Ein Passant sieht sogar den Einbrecher: „Da laufen der Mann und sein Opfer“, ruft er. Die beiden Beamten nehmen die Verfolgung auf. Das Ziel des Bankräubers steht zu diesem Zeitpunkt schon fest. Er will das Auto der Bankangestellten haben – und mit oder ohne Geisel flüchten. Im Herbst vergangenen Jahres führte eine ähnliche Geiselnahme von einer Bank in Norddeutschland durch Brandenburg und Polen bis nach Osteuropa. „Das wollten wir auf keinen Fall zulassen“, sagte Timo Greil, der Chef des Polizeischutzbereiches Bernau, nach dem Einsatz. Er selbst habe sich im passenden Augenblick auf den Täter geworfen und ihn entwaffnen können. Hier zahlte sich offenbar das gute Training in „Jiu-Jitsu“ aus, der asiatischen Kampfsportart. Greil sei auf diesem Gebiet ein As, sagt auch Polizeisprecher Toralf Reinhardt.

Nach der Festnahme forderten die Beamten einen Rettungswagen an. Diese Nachricht löste zunächst die Vermutung aus, es wäre zu einem Schusswechsel gekommen und Verletzte müssten versorgt werden. „Der Täter selbst verlangte medizinische Hilfe“, erklärte Polizeisprecher Reinhardt. Er sei auf regelmäßige Einnahme von Medikamenten angewiesen. Außerdem hätten die Beamten bei der Festnahme einen erheblichen Alkoholpegel festgestellt. „Er war richtig betrunken und wahrscheinlich deshalb so leicht zu überwältigen.“ Die Untersuchung ergab 1,74 Promille.

Bei dem Täter handelte es sich um einen 35 Jahre alten, mittelgroßen Mann aus Strausberg. Parallelen zu ähnlichen Banküberfällen in jüngster Zeit in den Kreisen Barnim und Oberhavel wollten die Bernauer Polizisten gestern nicht ziehen. Der Täter in Oranienburg Anfang Dezember (siehe Kasten) habe sich viel cleverer verhalten. Beim Überfall auf eine Sparkasse in Groß Schönebeck, rund 20 Kilometer nördlich von Wandlitz, seien vor fünf Wochen zwei Männer beteiligt gewesen. Alle drei Täter werden noch gesucht.

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