Geiselnahme : "Stern"-Reporter in Afghanistan entführt?

Offizielle Stellen in Afghanistan haben die Entführung eines deutschen Reporters bestätigt. Möglicherweise handelt es sich dabei um den "Stern"-Reporter Christoph Reuter.

Christoph Reuter
"Stern"-Reporter Christoph Reuter ist offenbar wieder frei. Das teilte der Gouverneur der Provinz Kunar, in der die Entführung...Foto: ddp

AsadabadDie Regierung der ostafghanischen Unruheprovinz Kunar hat die Entführung eines deutschen Journalisten bestätigt. Regierungssprecher Ahmad Mukhar Ajmal sagte, der Deutsche sei verschleppt worden. Das hätten die Nachforschungen der fünfköpfigen Delegation, die in den Ort Sangar entsandt wurde, ergeben.

Der Gouverneur der Provinz Kunar, Shalezai Dedar, sagte, der Reporter und sein Übersetzer seien im Dorf Sangar im Distrikt Wadapur zum Übernachten in ein Haus eingeladen worden. Gegen 1:00 Uhr am Morgen hätten Rebellen die beiden nach Aussage eines Dorfbewohners verschleppt. Drei Männer seien in die abgelegene Gegend entsandt worden, um die Lage zu sondieren. Sicherheitskreise bestätigten den Hergang dem ARD-Hörfunkstudio in Kabul. Wie die ARD erfuhr, steckt wahrscheinlich die extermistische Gruppe des Ex-Premiers Gulbuddin Hekmatyar hinter der Entführung.

"Stern" sorgt sich um Reporter

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, erklärte: "Unsere Botschaft in Kabul geht Hinweisen nach, dass möglicherweise ein deutscher Journalist in Afghanistan vermisst wird und bemüht sich um eine rasche Aufklärung des Sachverhaltes." Mögliche Forderungen wurden bislang nicht bekannt.

Die Chefredaktion des Magazins "Stern" sorgt sich angesichts der  Berichte um einen eigenen Reporter. Er sei derzeit in einem lange geplanten Urlaub in Afghanistan, teilte die Chefredaktion mit. "Wir machen uns jetzt große Sorgen um Christoph Reuter und versuchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen." Reuter kenne das Land sehr gut, "weil er in den vergangenen Jahren immer wieder für den "Stern" dort gewesen ist und viele Reportagen gemacht hat". Der Journalist spricht fließend Arabisch und konzentriert sich bei seiner Arbeit auf den Nahen Osten.

Kunar gilt als sehr gefährlich

In der Region der Entführung ist es in den vergangenen Wochen zu heftigen Kämpfen gekommen. Bei einem Bombardement der Nato-geführten Schutztruppe Isaf waren in Sangar vor kurzem nach Angaben des Gouverneurs neben zahlreichen Rebellen auch mindestens 27 Zivilisten getötet worden. Überlebende hatten ihre Wut über die Operation geäußert. Kunar gilt als eine der gefährlichsten Provinzen Afghanistans.

Am Mittwoch vergangener Woche waren bereits zwei Deutsche zusammen mit fünf Afghanen in der Provinz Wardak entführt worden, von denen einer in Geiselhaft starb. Der deutsche Bauingenieur soll laut gut unterrichteten Kreisen noch leben. Die Geisel sei zwar körperlich geschwächt, aber immer noch bei Kräften. Es gebe weiter Kontakt zum Entführungsopfer. Die Geiselnehmer hätten sich in ein Versteck in den Bergen zurückgezogen. Die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und die Höhenlage machten der Geisel zu schaffen. Die Bemühungen um die Freilassung des Mannes würden fortgesetzt.

Im Oktober 2006 waren zwei deutsche Journalisten in Afghanistan erschossen worden. Karen Fischer und Christian Struwe hatten als freie Mitarbeiter des Senders Deutsche Welle jahrlang in dem Land gearbeitet. (mit AFP/dpa)