Geistiges Eigentum : Buchbranche will mehr Engagement

Die Digitalisierung hat Literatur vorangetrieben, jedoch neue Probleme offenbart: Der Umgang mit dem Urheberrecht ist schwieriger geworden. Experten fordern deshalb mehr Initiative zum Schutz des geistigen Eigentums - nicht nur von den Verlagen.

Frankfurt/MainDie deutsche Buchbranche hat mehr Engagement der Politik zum Schutz des geistigen Eigentums im Internet gefordert. "Die Lösung des Problems kann nicht allein auf die Verlage abgewälzt werden", sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, am Dienstag unmittelbar vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. In der Politik sei jedoch wenig Verständnis für diese Problematik vorhanden. "Wer im Buchhandel ein Buch mitgehen lässt, muss mit Sanktionen rechnen. Warum sollte im Internet ein anderes Recht gelten?", fragte Honnefelder.

Buchmesse startet leicht unter Rekordniveau von 2007

Die weltgrößte Bücherschau öffnet am Mittwoch ihre Tore mit Ausstellerzahlen leicht unter dem Rekordniveau des Vorjahres. 7373 Aussteller (Vorjahr: 7448) aus 100 Ländern hätten sich angemeldet, berichtete Buchmessen- Direktor Juergen Boos. Man habe jedoch 1,4 Prozent mehr Fläche vermietet. Insgesamt sind 402.000 Titel (Vorjahr: 391.000) ausgestellt. Deutsche Aussteller stellen die größte Gruppe (3337), gefolgt von Briten (834) und den USA (662). Ehrengast ist die Türkei, die etwa 250 Autoren und 150 Verlage nach Frankfurt schickt.

Die massenweise Verbreitung von Texten über das Internet treibt die Buchmesse in diesem Jahr besonders um. "Die Digitalisierung ist kein neues Thema, neu ist nur die Dimension", sagte Honnefelder. "Kein Verlag kann heute noch die Augen vor dieser Entwicklung verschließen." Mehr als die Hälfte der 400 Veranstaltungen bis zum Sonntag beschäftigt sich mit dem Thema Digitalisierung, 42 Prozent der ausgestellten Objekte sind Bücher, 30 Prozent digitale Produkte. Mit Spannung erwartet werden vor allem die neuen E-Books. Sie sieht Honnefelder als "große Chance" für die Branche.

Die Buchbranche trotze der Finanzkrise, sagte Buchmessen-Chef Boos. "Bücher scheinen widerstandsfähig zu sein angesichts wirtschaftlicher Zyklen - ein Ausdruck dessen, dass sie nicht Luxus sind sondern lebensnotwendig." "Dem Buchmarkt geht es gut", sagte Honnefelder. Nach dem erfolgreichen Jahr 2007 mit einem Plus von 3,4 Prozent seien Verlage und Buchhandlungen allerdings froh, "wenn sie dieses Niveau in diesem Jahr halten können". Aktuell rechne die Branche mit einem Umsatzplus von 1,4 Prozent.

Coehlo: Internet ist "Freund" des Buches

Bestsellerautor Paulo Coelho rief vor der Eröffnung der weltgrößten Bücherschau Schriftsteller und Verlage dazu auf, das Netz als Chance und nicht als Bedrohung zu begreifen. "Je mehr man gibt, desto mehr gewinnt man", sagte der Brasilianer. Verlage sollten das neue Medium als globale Werbeplattform sehen und nicht als "Feind". In Russland sei die Zahl der verkauften Exemplare seiner Bücher erst in die Höhe gegangen, nachdem eine digitale Raubkopie im Umlauf war. Seither stellt Coelho einmal im Monat einen seiner Titel ungekürzt online.

Auch das Verhältnis zwischen Autor und Leser gewinne durch das Internet: "Die Leser sind keine rein passiven Empfänger mehr." Coelho hatte im vergangenen Jahr die Leser auf seiner persönlichen Internet- Seite aufgefordert, eines seiner Bücher zum Film umzuarbeiten und daraufhin 14 Kurzfilme erhalten. "Das Internet hat mich gelehrt, keine Angst davor zu haben, Ideen auszutauschen und andere dazu zu motivieren, ihre Ideen kundzutun." (nal/dpa)