Der Tagesspiegel : Geld für originale KZ-Bauten reicht nicht aus

ORANIENBURG (Ste/ADN).Brandenburgs Kulturminister Steffen Reiche (SPD) hat eine dauerhafte Förderung der KZ-Gedenkstätten durch den Bund gefordert.Gerade mit dem Umzug der Regierung nach Berlin würden die in der Nähe liegenden Gedenkstätten von Sachsenhausen und Ravensbrück noch stärker beachtet und besucht werden als bisher.In diesem Zusammenhang sprach er sich bei einem Besuch in Sachsenhausen für ein Holocaust-Mahnmal in Berlin mit deutlich niedrigeren Kosten aus.Denn die derzeit von Bund und Land zur Verfügung stehenden Mittel für die Erhaltung der baulichen Zeugnisse der KZ reichten längst nicht aus.Die Arbeiten hätten deshalb auf Jahre gestreckt werden müssen, sagte Reiche.Das behindere nicht nur die Erschließung der Lager, sondern führe auch zu weniger neuen Ausstellungen und zu einer Beschneidung der Öffentlichkeitsarbeit.

Er schließe sich dem Vorschlag der Vorsitzenden des Kulturausschusses des Bundestages, Elke Leonhard (SPD), an, den sogenannten Entwurf Eisenman II für 15 Millionen Mark zu realisieren.Den Vorschlag des Kulturstaatsministers, Michael Naumann (SPD), ein Mahnmal und ein Haus der Erinnerung für rund 150 Millionen Mark zu errichten, halte er für "nicht machbar", sagte Reiche.Bei Bund und Land müßten Prioritäten gesetzt werden."Diese sehe ich primär in der Erhaltung der baulichen Zeugnisse in den Gedenkstätten und erst sekundär in der Neuschaffung von Denkmalen", erklärte der Kulturminister.In absehbarer Zeit würden nicht mehr Überlebende, sondern nur noch bauliche Überreste der Lager die Nazi-Verbrechen bezeugen können.

In die Sanierung der Gedenkstätte des früheren Konzentrationslagers Sachsenhausen werden in den kommenden sieben Jahren fast 20 Millionen DM fließen.Diese Mittel stellen Land und Bund im Zeitraum zwischen 1997 und 2006 bereit.Seit 1994 seien 15,3 Millionen DM für die "allerwichtigsten" Bauvorhaben eingesetzt worden.

Um alle nötigen Sanierungs- und Baumaßnahmen zu finanzieren, würden jedoch mehr als 50 Millionen DM gebraucht, betonte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen, Günter Morsch.Er mahnte an, daß der Bund über das Jahr 2003 hinaus die institutionelle Förderung für die Gedenkstätten-Stiftung fortsetzt.



Morsch sagte, im Mittelpunkt des neuen dezentralen und integrativen Konzeptes für die Neugestaltung der Gedenkstätte Sachsenhausen stünden die über das Gelände verteilten authentischen Relikte.Daraus ergebe sich der Leitgedanke, die Geschichte des Ortes in zehn Ausstellungen zu dokumentieren, die in zu sanierenden originalen Gebäuden unterzubringen seien.Der Direktor wies darauf hin, daß im Jahre 2001 in den Krankenrevierbaracken eine Ausstellung über die Geschichte des Krankenreviers eröffnet werden soll.

Seit Herbst würden die einzigen erhaltenen Baracken aus der Entstehungszeit des Konzentrationslagers saniert, betonte Morsch.Der Gedenkstättenleiter berichtete, daß noch in diesem Jahr mit dem Neubau des Museums zur Geschichte des sowjetischen "Speziallagers Nummer sieben" aus den Jahren 1945 bis 1950 begonnen werde..

Als den "zentralen Gedenkort der Gedenkstätte" nannte Morsch Krematorium und Vernichtungsstätte "Station Z".Noch 1999 werde mit den Arbeiten begonnen.Zehn bis zwölf Millionen DM seien dafür veranschlagt.In Verbindung mit dem "wahrscheinlich" vorzeitig realisierbaren Besucherinformationszentrum, das 5,5 Millionen DM kosten soll, werde die Eingangssituation völlig neu gestaltet.Morsch sagte, die Besucher würden die Gedenkstätte demnächst über die ehemalige Lagerstraße betreten.Das gebe der Gedenkstätte ein "völlig neues Gesicht".In die ehemalige Kommandantenvilla zieht eine Jugendbegegnungsstätte ein.

Zwischen 1936 und 1945 waren mehr als 200 000 Menschen im KZ Sachsenhausen inhaftiert, das auf Befehl Himmlers als "vollkommen modernes, vollkommen neuzeitliches Konzentrationslager" vor den Toren der Reichshauptstadt errichtet worden war.Rund die Hälfte der Häftlinge überlebte das Lager nicht.

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