Der Tagesspiegel : Geldfälscher von Caputh festgenommen

Größter Betrug in Deutschland seit Euro-Einführung. Werkstatt war schon im Dezember aufgeflogen

Peter Tiede

Potsdam/Berlin - In Brandenburg und Berlin ist am Donnerstag eine internationale Geldfälscherbande ausgehoben worden. Sie hatte in Caputh bei Potsdam bereits mit der Herstellung von erstklassigen 50-Euro-Blüten im Wert von mehr als einer Million Euro begonnen.

175 Beamte der Landeskriminalämter Brandenburg und Berlin nahmen gestern in Berlin die vermeintlichen vier Hintermänner im Alter zwischen 27 und 40 Jahren fest, teilte Toralf Reinhardt mit, der Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) Brandenburg. Der von der Staatsanwaltschaft Potsdam veranlasste Einsatz lief unter dem Namen „Blütenfest“. Die Verdächtigen sollen am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Bandenmitglieder wurden von Spezialkommandos der Polizei verhaftet, da sie über Schusswaffen aller Kaliber verfügten.

Die Druckwerkstatt der Bande in einer ehemaligen Gärtnerei mitten in Caputh war bereits im Dezember 2004 aufgeflogen, als die Polizei dort eine Hanfplantage entdeckte. Vier Bandenmitglieder (ein Deutsch-Iraner, zwei Weißrussen und ein Potsdamer) saßen bereits in Haft. In der von dem Potsdamer angemieteten Werkstatt hatten die Ermittler im Vorjahr eine Druck-, eine Papierschneidemaschine, Spezialpapier und Chemikalien sowie einseitig bedruckte 50-Euro-Scheine gefunden.

Als Kopf der Bande, die gestern festgenommen wurde, gilt der 40-jährige Libanese Hussan Hassan S. Er wurde in der Weisestraße in Neukölln verhaftet. In der Steglitzer Dünther Straße wurde der Türke Faruk G. gefasst, im Reinickendorfer Freester Weg der Türke Cengiz K. und in der Neuköllner Hertastraße der Deutsch-Libanese Najib B.

Nach Ansicht der Ermittler hatte ein libanesischer Großclan aus Berlin die Idee zur der Geldfälschung, die die erste in Deutschland ist seit der Euro-Einführung. Zusammen mit türkischen Kriminellen besorgten die Libanesen Spezialchemikalien. Um an das Know-how für die Fälschung und den Absatz der Blüten zu kommen, haben sie Kontakt zu osteuropäischen Banden aufgenommen, wie die Polizei vermutet. Besonders in Weißrussland und dem Baltikum waren bislang Blüten für den europäischen Markt hergestellt worden. Die beiden schon früher in Caputh verhafteten Weißrussen – ein Maschinenbauingenieur und ein Grafiker – sollen die Maschinen bedient haben. Der Grafiker soll auch die Hologramme und andere Sicherheitsmerkmale der Euroscheine gefälscht haben. Nach Einschätzung der Bundesbank sind die in Caputh hergestellten Blüten von höchster Qualität.

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