Genetik : Wie die Farbe ins Fell der Pferde kam

Seit der Mensch die Tiere züchtet, spielt die Tarnung keine Rolle mehr.

Roland Knauer
272220_3_xio-fcmsimage-20090426182439-006001-49f48ac74c3bf.heprodimagesfotos87120090425ludwig1hr.jpg
Auffällig. Seit 5000 Jahren gibt es vermehrt gescheckte und helle Tiere. Foto: Science

„Füchse und Schecken waren wohl schon bei den ersten Pferdezüchtern vor 5000 Jahren beliebt“, sagt der Paläoökologe Michael Hofreiter von der Universität im britischen York. Das zeigen Erbgutanalysen, die er und weitere Forscher, unter anderem vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin, an Pferdeknochen gemacht haben.

Wie das Team im Fachblatt „Science“ (Band 324, Seite 485) berichtet, trabten vor 20 000 Jahren nur braune Pferde durch die Steppe. An einem 9000 Jahre alten Knochen aus Spanien entdeckten die Forscher die erste Genmutation, die für heutige Rappen, also schwarze Tiere, typisch ist. Damals breiteten sich in Europa nach dem Rückzug der eiszeitlichen Gletscher gerade wieder Wälder aus. Erst kürzlich konnten andere Forscher nachweisen, dass genau in dieser Zeit die ersten Wölfe mit dunklem Fell auf die Jagd gingen. Das hatte Vorteile: Im Dämmerlicht am Waldboden konnten sich solche dunklen Gestalten besser an Beute anschleichen als helle Wölfe. Ähnlich hatten auch zufällig auftretende dunkle Pferde in den Wäldern bessere Überlebenschancen und vermehrten sich.

Die nächsten Mutationen im Erbgut tauchten erst vor höchstens 5000 Jahren auf. Genau zu dieser Zeit aber begannen die Menschen Pferde zu züchten. „Die Tiere wurden wohl von Anfang an für den Transport von Menschen oder Waren genutzt“, vermutet Hofreiter. Fleisch oder Milch erhält man schließlich von anderen Tieren wie Schafen, Ziegen und Rindern viel einfacher, die bereits vorher gezüchtet wurden.

Gleich am Anfang der Pferdezucht finden die Forscher die wichtigsten Mutationen für zahlreiche Fellfarben. Sogar so auffällige Tiere wie schwarze Pferde mit heller Mähne und Schweif tauchten damals auf. Solche Mutationen gab es wohl schon früher, nur fielen diese in der Natur sehr auffälligen Pferde rasch Raubtieren zum Opfer. Erst als Menschen die Tiere schützten und gezielt vermehrten, etablierten sich auch Füchse und Schecken. RHK

0 Kommentare

Neuester Kommentar