Genforschung : Stammzellen ohne fremde Gene

Ein Team von deutschen und amerikanischen Forschern hat erstmals aus den Körperzellen eines erwachsenen Tieres vielseitige Stammzellen gezüchtet, ohne das Erbgut der Zellen zu verändern.

Die Wissenschaftler schleusten die vier Proteine Oct4, Sox2, Klf4 und c-Myc in Frühstadien von Hautzellen einer Maus ein. Damit sei es ihnen gelungen, den Zellen die universellen Fähigkeiten (Pluripotenz) echter Stammzellen zu verleihen, schreiben sie online im Fachmagazin „Cell Stem Cell“.

Künstliche Stammzellen, „induzierte pluripotente Stammzellen“ (iPS) genannt, gibt es seit nicht einmal drei Jahren. Ende 2006 hatten japanische Forscher berichtet, dass sie mit einem Virus vier Gene in die Hautzelle einer Maus schleusen und sie so in den Zustand einer Stammzelle zurückzwingen konnten. Nachteil der Methode: Wo die Gene sich in das Erbmaterial integrieren, ist Zufall. So können sie zum Beispiel mitten in einem wichtigen Gen landen und es stören. Das kann im Extremfall dazu führen, dass die Zelle zur Tumorzelle wird.

Diese Gefahr konnten die Forscher aus Münster und Kalifornien nun umgehen, wenn auch nur in Mauszellen. „Der nächste Schritt ist natürlich die Übertragung auf menschliche Zellen. Das ist etwas, das uns ab sofort beschäftigen wird“, sagte der Münsteraner Stammzellforscher Hans Schöler, der an der Arbeit beteiligt war.

Im Grunde greift die neue Methode zwei Schritte später in die Zelle ein als das bisherige Verfahren. Bringt man Gene in die Zelle, so werden diese im Zellkern abgelesen und in Proteine übersetzt, die der Gensequenz entsprechen. Diese Proteine können sich dann wiederum an die DNS der Zelle heften und beeinflussen, welche Gene eingeschaltet werden und welche nicht. So können sie der Zelle die Eigenschaften von Stammzellen zurückgeben.

In der neuen Arbeit haben die Forscher direkt diese Proteine in die Zellen eingebracht. Bei den untersuchten Zellen handelt es sich allerdings um Vorläufer von Hautzellen. Das sind unreife Zellen, die selbst gewisse Eigenschaften einer Stammzelle haben. Ob dieselbe Methode auch mit ganz normalen Hautzellen funktioniert, muss sich noch zeigen. kkp

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