Der Tagesspiegel : Genies en gros

Mehr als 300 Schüler wurden bei der langen Nacht des Nachwuchses gefeiert

Susanne Vieth-Entus

Wenn man ihn auf der Bühne sieht, möchte man „Wow“ rufen, stehend applaudieren und gar nicht mehr aufhören. Und schon hat man verstanden, warum sich Adrian Mathias „Mr. Wow“ nennt und warum er mit seinen Diabolo-Jonglagen jüngst das Dresdner Varieté- und Zirkusfestival gewonnen hat. Kein Wunder, dass er zu Berlins erfolgreichen Schülern gehört, die am Freitagabend zur zweiten „Nacht der Talente“ eingeladen waren.

Im vergangenen Jahr traf man sich in der Mercedes-Welt am Salzufer, diesmal war die Industrie- und Handelskammer Gastgeber der von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) initiierten Feier. Wieder gelang es ihm, eine erstaunliche Mischung besonderer Begabungen zusammenzubringen und damit ihre große Bandbreite zu würdigen. Als Medienpartner druckt der Tagesspiegel die von den Schulen gemeldeten Namen ihrer erfolgreichsten Schüler ab (Teil 1 der Liste erschien am 14. Juni).

Wie stark die Vielfalt mit dem DDR-Erbe an Spezialschulen zu tun hat, wurde beim Bühnenprogramm deutlich. Denn da brillierten gleich zwei Bundespreisträgerinnen von „Jugend musiziert“, die zugleich Schülerinnen des Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Gymnasiums aus Mitte sind: Henriette Fauth (Geige) und Ludmilla Kogan (Klavier). Auch das Friedrichshainer Hertz-Gymnasium gehört zu den Schulen, die schon zu DDR-Zeiten besondere Talente förderten. Sie ist bei mathematisch Begabten gefragt und stellte schon viele „Jugend forscht“-Sieger wie Robert Greif, der schilderte, wie die von ihm entwickelten flexiblen Flugzeug-Tragflächen funktionieren.

Die dritte ehemalige Spezial-Schule, die auf der IHK-Bühne zum Zuge kam, war die Staatliche Schule für Artistik. Ihre diesjährige Abschlussklasse hat bereits ein Programm auf die Beine gestellt, mit dem sie am Dienstag im Wintergarten gastiert (Karten unter 25008800). Zwei der Nummern wurden gezeigt: neben der Jonglage von „Mr. Wow“ noch die Gleichgewichts-Akrobatik von Katja Echter-Becker und Stephan Kleinknecht.

Viel Applaus gab es aber auch für eher stille Auftritte wie jenen von Harriet von Froreich: Die Schülerin des Kreuzberger Leibniz-Gymnasiums las eine erstaunliche Kurzgeschichte vor. Und dann kamen auch noch rund 20 der 35 diesjährigen 1,0-Abiturienten auf die Bühne sowie „Jugend forscht“-Sieger vom Lessing- und Humboldt-Gymnasium sowie von der Emil-Fischer-Schule.

Sie alle könnten doch „stolz wie Bolle“ sein, fand Radio-Fritz-Moderatorin Nicole Markwald, die zusammen mit ihrem RBB-Kollegen Steffen Kottkamp gut gelaunt durch den Abend führte. Auch Senator Böger genoss es sichtlich, ausnahmsweise mal nicht in der Kritik zu stehen, sondern die Erfolge der Berliner Schulen mitfeiern zu können. Er kümmerte sich auch darum, dass allen rund 300 Teilnehmern Gratis-Eintrittskarten für Hertha-BSC, Alba oder den Istaf zur Verfügung gestellt werden. Und Gastgeber Christian Wiesenhüter, der stellvertretende IHK-Geschäftsführer, hatte noch ein schönes Zitat von Auto-Bauer Henry Ford parat, wonach die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes nicht in der Fabrik beginnt – sondern im Klassenzimmer.

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