Der Tagesspiegel : Genüsse für Augen und Magen

Leckere Gartenschönheiten

Helga Panten[dpa]

Kiwis, Felsenbirnen oder Passionsfrüchte aus dem eigenen Garten? Kein Platz, viel zu viel Arbeit, und außerdem passt das gar nicht zu Blütenpracht und Buchsbaumskulptur, denken da viele.

Tatsächlich aber gibt es leckere Gartenschönheiten, die oft mit erstaunlich wenig Platz auskommen. Mit Blüten, Düften und schmückendem Blattwerk machen sie auf sich aufmerksam, bevor Beeren und Früchte dem Gaumen ungewohnte Genüsse bieten.

Selbst gezogene Kiwis fallen zwar wesentlich kleiner aus als SupermarktExemplare, dafür besitzen sie weiche Schalen, die sich ohne Weiteres mitessen lassen. ,Weiki‘ oder ,Julia‘ liefern reichen Fruchtsegen an bis zu acht Meter hoch schlingenden Trieben – sofern zu den weiblichen Exemplaren ein männliches gepflanzt wurde. Actinidia kolomikta eignet sich besonders gut dafür. Die männlichen Exemplare sind nicht nur sehr gute Pollenspender. Sie sehen auch spektakulär aus mit ihren rosa oder weißen Blattspitzen im Frühsommer. Andere wie Actinidia arguta oder Actinidia polygama gefallen durch goldgelbe Herbstfärbung oder silbrig weißen Austrieb. Dagegen erweisen sich die häufig angebotenen selbst fruchtenden Sorten oft als wenig zuverlässig.

Auch das Chinesische Spaltkölbchen (Schisandra chinensis) zählt zu den genießbaren Schönheiten. Vor allem im Herbst zieht es die Blicke auf sich, wenn vor goldgelber Herbstfärbung glänzend rote Trauben dicker „Johannisbeeren“ hängen. Der Zunge bieten sie gleich fünf Geschmacksrichtungen auf einmal: sauer, süß, bitter, salzig und „umami“, ein japanischer Begriff, der sich am ehesten mit herzhaft übersetzen lässt. Hierzulande ist das Spaltkölbchen zuverlässig winterhart, windet sich mit dünnen Trieben bis zu acht Meter hoch und lässt sich gut an Wandspalieren oder Pergolen ziehen.

Als eifriger Kletterer erobert die Akebie (Akebia quinata) rasch Höhe. Sie fällt im Mai durch duftende Blüten auf. Als Schokoladenpurpur lässt sich die Farbe der weiblichen Blüten bezeichnen, die männlichen setzen Rosa daneben. In warmen, trockenen Sommern erinnern die Früchte an hell- bis purpurviolette Gurken, die bei Reife aufplatzen und den Blick auf die Reihe der Samen und das geleeartige Innere freigeben. Letzteres wird am besten pur gelöffelt.

Wärme und Sonne brauchen die Passionsblumen, damit sich aus den spektakulären Blüten Früchte entwickeln. Sind sie reif, baumeln sie wie dicke orangefarbene Pflaumen an den langen Ranken. Am vitalsten wachsen sie ausgepflanzt, was bei Passiflora caerulea und etlichen anderen problemlos möglich ist. Sie dürfen auch im Winter draußen bleiben. Nicht ganz so zuverlässig ist die Freude an den Früchten. Sie halten nicht immer, was die appetitliche Farbe verspricht.

Passionsblumen sind selbst steril. Werden sie nur mit eigenem Pollen bestäubt, weil andere Pflanzen fehlen, entwickeln sich nur wenige Samenanlagen. Wer sichergehen will, pflanzt neben Passiflora caerulea eine der genauso unempfindlichen Sorten ,Chinensis‘, .Constance Elliott‘ oder ,Pierre Pommie‘.

Das Gleiche gilt für die Blaue Heckenkirsche (Lonicera kamtschatica). Auch von ihr sollten zwei verschiedene Exemplare gepflanzt werden, zum Beispiel der Sorten ,Maistar‘oder ,Mailon‘. Blau wie Heidelbeeren, dafür aber doppelt so lang hängen die Beeren paarweise an den Zweigen. Frosthart und unempfindlich gegenüber Krankheiten erinnern die 100 bis 150 Zentimeter hohen Sträucher auch vom Wuchs her an Heidelbeeren, verlangen aber keinen sauren Boden.

In Bezug auf Schönheit ist die Schwarze Apfelbeere (Aronia melanocarpa) der Maibeere überlegen. Auch sie wächst strauchig und bekommt handliche 150 Zentimeter Höhe. Das Auge erfreut sich an den schneeweißen Schirmrispen im Frühjahr, aus denen tiefblaue, kugelige Früchte heranreifen. Helga Panten, dpa

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