Der Tagesspiegel : Geöffnete Türen, erfüllte Träume

Ein Kaufhaus hat sich Ex-Bürgermeister Matthias Platzeck immer für Potsdam erhofft – heute erfüllt ihm Karstadt diesen Wunsch

Claus-Dieter Steyer

Potsdam – Wenn jemand in schwierigen Zeiten rund 100 Millionen Euro in eine neue Filiale investiert, dann darf die auch einen prächtigen Namen tragen – und so hat sich der Kartadt-Konzern in der Potsdamer Innenstadt nicht nur ein neues Geschäft gebaut, sondern ein Stadtpalais. Unter diesem Namen sollen sich Kunden das neue Kaufhaus, das heute um 9 Uhr 30 seine Türen öffnet, einprägen.

Die Potsdamer Innenstadt schließt mit der Karstadt-Eröffnung in der Brandenburger Straße zum Stern-Center in Babelsberg auf: Zusammen mit dem 10600 Quadratmetern im Stadtpalais hat man nun 30000 Quadratmeter Verkaufsfläche – genauso viel wie im Stern-Center.

Das neue Karstadt-Haus erstreckt sich über vier Etagen, 250 Menschen werden hier arbeiten. In den 100 Millionen Euro, die der Essener Kaufhauskonzern in Potsdam ausgegeben hat, stecken nicht nur die eigentlichen Baukosten für das Kaufhaus, sondern auch die Ausgaben für ein Parkhaus mit 477 Stellplätzen in der rund 200 Meter entfernten Hegelallee. Den Bau einer Tiefgarage direkt an der Brandenburger Straße hatte der sumpfige Untergrund nicht zugelassen.

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) war auf Einladung der Konzernspitze schon vor der Eröffnung im Kaufhaus unterwegs. „Als ich vor sieben Jahren den Posten des Oberbürgermeisters übernahm, hatte ich zwei Wünsche“, sagte er. „Potsdam sollte ein Kaufhaus und ein Theater bekommen.“ Der erste Wunsch sei nun endlich in Erfüllung gegangen, und auch der Theaterbau mache gute Fortschritte. „Allerdings hatte ich durchaus Ängste, als die Krise des Konzerns bekannt wurde“, bekannte Platzeck. „Umso größer ist jetzt die Freude.“

In viersprachigen Prospekten – auf Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch – verspricht Karstadt ein „königliches Einkaufen“, denn es war Friedrich Wilhelm I., der 1733 die „zweite barocke Stadterweiterung“ angeordnet hatte. Dazu gehörte auch die Fläche des heutigen Kaufhauses. 1913 erfolgte eine Erweiterung des Kaufhauses. Es erhielt unter anderem den jetzt wieder hergestellten Lichthof im klassizistischen Stil. Die Rudolf Karstadt AG übernahm das Haus 1931. Bei der Bombardierung der Innenstadt erlitt das Gebäude nur geringe Schäden, so dass die Konsum-Genossenschaft es 1946 wiedereröffnete. 1990 begann die kurze Ära als „Horten-Kaufhaus“, ehe 1994 Karstadt das alte Eigentum zurückerhielt. Ein Großbrand im Februar 1996 führte zur Schließung, die nun endet.

Karstadt rechnet mit 8000 bis 10 000 Kunden pro Tag. Zweifel am Erfolg ließ Vorstandsmitglied Jan-Christoph Maiwaldt nicht aufkommen. „Potsdam besitzt mit 15 000 Euro pro Einwohner die höchste Kaufkraft im Osten und außerdem zählt die Stadt jährlich zweieinhalb Millionen Touristen“, sagte er. Alle würden hier ein „neuartiges Einkaufsvergnügen“ vorfinden. Dazu gehörten viel Licht, breite Wege und eine klare Orientierung auf den Etagen. Nach den Worten von Maiwaldt erwartet der Konzern keinen starken Wettbewerbsdruck durch das „Stern-Center“ oder die Bahnhofspassagen. „Jede Verkaufsform hat inzwischen ihre Berechtigung“, sagte er.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hofft, dass sich durch das Kaufhaus weitere Läden und Restaurants im Zentrum ansiedeln. Vielleicht sind darunter auch Interessenten für die oberste Kaufhausetage. Die kann noch gemietet werden. Karstadt wünscht sich ein Fitness-Center.

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