Georgien-Krise : Russland bricht Nato-Zusammenarbeit komplett ab

Einen Tag nachdem die Nato ihre Kooperation mit Russland teilweise eingefroren hat, stellt Moskau nun die Zusammenarbeit mit dem westlichen Militärbündnis vollständig ein - das bestätigte das norwegische Verteidigungsministerium. Der Abzug russischer Truppen aus Georgien läuft derweil nur zögerlich.

OsloRussland will nach einem norwegischen Medienbericht die militärische Zusammenarbeit mit der Nato komplett abbrechen. Die norwegische Zeitung "Aftenposten" (Oslo) berichtete am Mittwoch in ihrer Internetausgabe unter Berufung auf norwegische Regierungskreise, dass dem Osloer Außenministerium eine entsprechende Note an die Nato angekündigt worden sei. Das norwegische Verteidigungsministerium bestätigte die Angaben wenig später. Am Vortag hatten die Nato-Außenminister als Reaktion auf das russische Vorgehen in Georgien ein teilweises Einfrieren der Kooperation mit Moskau beschlossen.

Weiter hieß es, Moskau wolle sein Verhältnis zur Nato "neu bewerten". Man wolle die derzeitige Zusammenarbeit deshalb "einfrieren, absagen oder abbrechen". Die Außenminister der Militärallianz hatten am Dienstag den sofortigen Abzug der russischen Truppen aus Georgien verlangt. Sie beschlossen ein vorläufiges Einfrieren aller direkten Kontakte zu Moskau.

Zögerlicher russischer Rückzug aus Georgien

Angesichts der weiter angespannten Lage im Südkaukasus hat die Bundesregierung Russland unterdessen eindringlich zum Rückzug aus Georgien aufgefordert. "Das A und O ist, dass Russland den Truppenabzug nicht weiter verschleppt", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Angaben eines Sprechers am Mittwoch in der Kabinettssitzung in Berlin. Es gebe keine deutlichen Hinweise, dass der Abzug wirklich begonnen habe. Russlands Präsident Dmitri Medwedew sicherte zu, bis Freitag das georgische Kernland zu räumen. Russland will die bis Ende 2008 geplante Zusammenarbeit mit der Nato aussetzen. Bei den Auseinandersetzungen im Südkaukasus starben nach offiziellen Angaben aller Kriegsparteien 1771 Menschen.

Georgischen Medienberichten zufolge kontrollierten russische Soldaten auch am Mittwoch strategisch wichtige Punkte in Georgien wie die Fernstraße von der Hauptstadt Tiflis in Richtung Nordwesten nach Gori. Es gab Meldungen über weitere Zerstörungen georgischer Militäranlagen durch russische Truppen. Eine Einheit sei mit Panzern in das Dorf Perevi an der innergeorgischen Grenze zu Südossetien eingerückt, meldete der Fernsehsender Rustavi2. Zugleich seien vier russische Kontrollposten bei der Stadt Gori geräumt worden. Der Generalstab in Moskau teilte mit, der Abzug aus georgischem Kerngebiet dauere an. (jam/dpa)