Georgien : Oppositionsführer aus der Haft entlassen

Der Oppositionspolitiker Irakli Okruaschwili ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Präsident Michail Saakaschwili legte ein Geständnis vor, in dem Okruaschwili die Annahme von Bestechungsgeld zugibt. Wurden die Antworten erpresst?

Tiflis/Moskau Nach tagelangen innenpolitischen Auseinandersetzungen ist in Georgien der Widersacher von Präsident Michail Saakaschwili, Ex-Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili, aus der Untersuchungshaft freigekommen. Die Justiz der früheren Sowjetrepublik entließ den Oppositionspolitiker gegen Zahlung einer Kaution von 10 Millionen Lari (4,5 Mio Euro), wie die Agentur Interfax aus Tiflis meldete. Okruaschwili (33) hatte am Vortag seine schweren Vorwürfe gegen Saakaschwili, zu dessen engsten Vertrauten er einst gezählt hatte, zurückgezogen.

Die Auseinandersetzung zwischen den Akteuren der Rosenrevolution von 2003 war in den vergangenen Wochen eskaliert. Ende September hatten 10.000 Oppositionsanhänger vor dem Parlament in Tiflis die Freilassung des kurz zuvor inhaftierten Okruaschwili sowie den Rücktritt Saakaschwilis gefordert.

Hat der Regierungschef Morde veranlasst?

Ex-Verteidigungsminister Okruaschwili hatte Saakaschwili unter anderem beschuldigt, Morde an unbequemen Personen in Auftrag gegeben zu haben. Der Präsident nannte dies eine "schamlose Lüge". Der Politiker kam aus der Untersuchungshaft frei, nachdem er zugegeben hatte, als Minister Bestechungsgeld erpresst und sein Amt missbraucht zu haben. Die Opposition äußerte Zweifel an der Echtheit des auf Video aufgezeichneten Schuldbekenntnisses Okruaschwilis.

"Wir haben den Verdacht, dass die Antworten erzwungen wurden", sagte der frühere Minister für die Regulierung der Territorialkonflikte, Georgi Chaindrawa, dem Moskauer Radiosender "Echo Moskwy". Mehrere Dutzend Demonstranten forderten heute vor der Generalstaatsanwaltschaft in Tiflis eine objektive Klärung der Vorwürfe gegen den Präsidenten.

Georgische Medien berichteten, Okruaschwili habe nach seiner Entlassung mitsamt Familie das Land verlassen. Seine Anwältin dementiere dies. Okruaschwili halte sich in seinem Wohnhaus auf. Er fühle sich aber zu schwach, um öffentlich eine Erklärung abzugeben. (mit dpa)