Der Tagesspiegel : Gerhard in der Schule

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Von Thorsten Metzner

Potsdam. Ehe die Kanzler-Limousine wieder vom Hof der Potsdamer Voltaire-Schule rollt, raunt Gerhard Schröder hinüber zu Matthias Platzeck noch ein: „Tschüß, mein Lieber!“ Einen einzigen Satz hat sich der Bundeskanzler zuvor auf jene Frage entlocken lassen, um die es im Vorfeld der Visite heftige Spekulationen gegeben hatte – wieder einmal: Wird er Platzeck bei einem Wahlsieg nach dem 22. September in sein Kabinett holen? Wird der Potsdamer Oberbürgermeister womöglich schon auf dem SPD-Bundesparteitag am kommenden Sonntag in die engere Parteiführung aufrücken? „Wir spekulieren nicht über Personal und entscheiden das zu gegebener Zeit“, so Schröder gegenüber dem Tagesspiegel. Das war’s.

Es sollte auffallen: Die Botschaft, dass er Platzeck gern als „Symbol für den Osten“ nach Berlin holen würde, wollte der Kanzler diesmal nicht vermitteln. Es war ganz anders als bei seinem Besuch vor einem Jahr, als er das Stadtoberhaupt noch als Hoffnungsträger pries, der jede Regierung „zieren“ würde. Es werde auch auf dem Parteitag nichts passieren, sagt im Anschluss ein Platzeck-Vertrauter. So macht Gerhard Schröder an diesem Donnerstag mit seiner Reise durch Brandenburg zwar kräftig Wahlkampf, aber allein: Als Kanzler, der sich per „Thementag“ nach dem „Pisa-Schock“ und dem Massaker von Erfurt der Bildung annimmt und mit Schuldirektorin Ortrud Meyerhöfer vor die Kameras tritt. Warum die Wahl auf die Voltaire-Schule fiel? Kein Zufall, natürlich nicht: Es ist eine Musterschule, die nachgefragteste der Stadt. Es ist eine Gesamtschule, eine Ganzstagsschule dazu - beides Flaggschiffe sozialdemokratischer Bildungspolitik. Und so spricht sich Schröder dafür aus, die Ganztagsbetreuung an deutschen Schulen auszubauen, weil Frauen die Chance haben sollten, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen.

Überhaupt zeigt sich der Kanzler - das Protestplakat einiger Schüler gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr geflissentlich übersehend - gut gelaunt und locker. Fragt etwa spitz: „Stimmt es, dass die Bewertungen der Leistungen freundlicher sind, wenn das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern stimmt?“ Die Schulleiterin widerspricht prompt: „Ich gelte als Kollegin, bei der man in Deutsch eigentlich nie eine Eins bekommt.“ Schröder: „Das ist auch nicht gut“. Die Schulleiterin, resolut: Überhaupt dürfe man als Lehrer „nie Kumpel“ sein. Schröder, mit ernster Miene: „Dass Sie das nicht sind, das kann man spüren!“ Allgemeine Heiterkeit. Der Bundeskanzler, so heißt es nach dem Schröder-Besuch beinahe einhellig bei den Voltaire-Schülern, sei „aufgeschlossen“, sehr „locker“, ja „netter als erwartet.“ Nur wählen dürfen sie noch nicht.

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