Gerüchteküche : Willenlos in Hollywood

Eine Biographie über Tom Cruise zeichnet ein dunkles Bild des US-Schauspielers: Ferngesteuert von Scientology und gehörnt vom toten Sektenguru.

Tobias Fleischmann
Cruise
Im Bann von Scientology? Tom Cruise und Katie Holmes. -Foto: ddp

L. Ron Hubbard soll Vater sein. Nichts Besonderes, wäre Hubbard nicht Gründer von Scientology und seit über 20 Jahren tot - und das Kind nicht Suri, die knapp einjährige Tochter von Katie Holmes und Tom Cruise.

Was klingt wie das Drehbuch zu einem schlechten Film, ist in Wirklichkeit eine neu erschienene Biographie – ihr unfreiwilliger Hauptdarsteller: Tom Cruise. In der Nebenrolle Katie Holmes. Ihr soll das einst eingefrorene Sperma des Sektengründers Hubbards eingepflanzt worden sein, um die Gene des verehrten Gurus weiter zu geben.

Beweise hat Andrew Morton, der Autor der Biographie, für diese Version von der Zeugung Suris natürlich nicht. Dennoch tat dies dem Rummel um das Buch keinen Abbruch, dessen deutsche Ausgabe den Titel „Tom Cruise – Der Star und die Scientology-Verschwörung“ trägt. Im Gegenteil: Die heikle Passage wurde bereits vor vergangenem Dienstag - dem Verkaufsstart des Buches in den USA – veröffentlicht und hat so die Werbetrommel erst richtig zum Rotieren gebracht. Ein geschickter PR-Zug von Morton, der für ihn allerdings nicht neu sein dürfte. Schließlich hat der Boulevard-Experte schon Bücher über Prinzessin Diana, Madonna und Monica Lewinsky geschrieben.

Vom Überflieger zur Marionette

Wohl kalkuliert waren von Morton wohl auch die Reaktionen. Anwälte von Scientology und Cruise erwägen eine Klage über 100 Millionen Dollar. Und im Internet wüten tausende Anhänger der Sekte gegen das Werk. In Australien wollen viele Buchhandlungen die Biographie nicht anbieten – aus Angst vor erzürnten Scientologen. In England kommt das Buch gar nicht erst auf den Markt, denn im Königreich ist es besonders leicht gegen Autoren zu klagen. Bei den Online-Buchhandlungen schoss das Buch dagegen gleich in die Bestsellerlisten.

Dass sich dieser Sturm schnell legen wird, ist unwahrscheinlich. Denn: Das Buch lässt kein gutes Haar an Cruise und jede Menge Raum für weitere Spekulationen. So soll die Sekte Cruise ganz gezielt über Jahre zum prominenten Aushängeschild aufgebaut haben. Die Begegnung mit seiner ersten Frau Mimi Rogers, einer Scientologin und Schauspielerin, war, glaubt man Morton, alles andere als Zufall. Durch die andauernde Gehirnwäsche in zahllosen „Auditings“ und Persönlichkeitstests sei Cruise inzwischen eine willenlose Marionette der Scientologen, die ihn zu PR-Zwecken missbraucht und sein Leben komplett bestimmt.

Ausgeflippt auf Oprahs Couch

Dass das Buch für einen solchen Wirbel sorgt, liegt aber nicht nur an Scientology, sondern auch an Tom Cruise. Seit der einstige Überflieger und charmante Sunnyboy Hollywoods Scientology beigetreten ist, hat er immer wieder mit skurrilen Auftritten in der Öffentlichkeit für Aufregung gesorgt, die Morton nur zu gern aufgreift: So sprang Cruise als Gast der amerikanischen Talkmasterin Oprah auf deren Couch umher, schüttelte die irritierte Oprah und benahm sich auch sonst wie ein betrunkener Junggorilla – angeblich, um seine Liebe zu Katie Holmes zu beweisen. Für Morton stellt sich die Lage anders dar: Demnach hatte Cruise kurz zuvor die nächste Bewusstseinsebene in der Scientology-Hierarchie zum „Operating Thetan VII“ erklommen, was ihn bei Scientologen zu einer Art spirituellen Überflieger macht. Ein guter Grund also auszuflippen.

Tom Cruise selbst hat sich zu dem Buch bis jetzt noch nicht geäußert und Scientology bezeichnete es als „diffamierend und mit Lügen gespickt“. Spottend versucht die Sekte gegenzuhalten: „Ist es etwa möglich, dass Katie (Holmes) und Toms Baby den Geist des (Scientology-Gründers) L. Ron Hubbard in sich trägt?“ Das könne nicht sein, schließlich habe der Sektengründer sein Sperma nie einfrieren lassen.

Morton ist inzwischen untergetaucht und kann in Ruhe den Wirbel beobachten, den er angerichtet hat. In Deutschland wird die Biographie im Droemer-Verlag erscheinen. Dass Cruise sie nicht autorisiert hat, versteht sich von selbst.