Der Tagesspiegel : Gesine Schwan verlässt die Universität Viadrina Hochschulpräsidentin scheidet im nächsten Herbst altersbedingt aus – nach dann neun Jahren im Amt

Sandra Dassler

Frankfurt (Oder) - Gesine Schwan ist ein wenig entrüstet: „Ich bin doch noch ein ganzes Jahr hier“, sagt die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina: „Bis dahin gedenke ich noch eine Menge zu tun“. Doch die 64-Jährige weiß natürlich spätestens seit ihrer Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 2004, wie Medien funktionieren: Nachdem eine Agentur berichtete, dass die Viadrina einen Nachfolger für die charismatische Uni- Chefin sucht, der im Herbst 2008 antreten soll, mehren sich Anfragen in der Pressestelle. Ja, es sei wahr, sagen die Mitarbeiter dann: Aber es handele sich um einen normalen Vorgang. Frau Schwan werde im nächsten Frühjahr 65 Jahre alt und erreiche die im Brandenburgischen Hochschulgesetz festgelegte Altersgrenze.

„Ganz normal“ heißt aber nicht „unproblematisch“, meinen hingegen viele Angestellte der Universität. Das liegt zum einen daran, dass ihre Präsidentin sehr beliebt ist, weil sie sich auch um vermeintlich kleine Sorgen ihrer Mitarbeiter kümmert. Zum anderen hat Schwan durch ihre Persönlichkeit der Frankfurter Universität ein Gesicht gegeben. Während ihrer Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten gewann die SPD-Frau viele Sympathien in der Bevölkerung und machte die Viadrina deutschland- und europaweit bekannt. Die Uni steht für den Brückenschlag ins Nachbarland – jeder fünfte der rund 5000 Studenten kommt aus Polen.

„Als ich das Amt 1999 übernahm, war das auch eine Art Rückkehr zu meiner Jugend“, sagt Gesine Schwan, die unter anderem in Warschau und Krakau studiert hat. „Schließlich habe ich über den polnischen Philosophen Leszek Kolawski promoviert. Später war ich allerdings mehr in England und Amerika unterwegs.“ Als sie sich im Juni 1999 erstmals mit dem Gedanken beschäftigte, Präsidentin der Viadrina zu werden, habe sie der „große Gestaltungsspielraum“ gereizt, sagt sie.

Und den hat sie in den vergangenen acht Jahren auch genutzt: Die Verwaltung wurde reformiert, drei neue internationale Studiengänge eingeführt, und heute steht die Viadrina kurz vor der Umwandlung in eine Stiftungsuniversität. Letzteres war Schwan besonders wichtig. Zwar schaffte sie es nicht, die Uni in eine von Frankreich, Polen und Deutschland getragene Stiftung zu überführen, aber auch als Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Brandenburg ergeben sich viele Vorteile. „Vor allem können wir selbst darüber entscheiden, wofür wir unsere Gelder verwenden“, freut sich die Präsidentin.

Ihr Traum ist eine noch stärkere Internationalisierung. „Mehrsprachige Studiengänge sollen von Muttersprachlern unterrichtet werden“, sagt Schwan. Und hat gerade wieder zwei Franzosen zusätzlich als Gastprofessoren gewonnen. Wenn die dann ganz überrascht von Frankfurt (Oder) sind, freut sie sich. „Die Stadt ist viel schöner und besser als ihr Ruf“, meint die Berlinerin. Auch wenn sie ihre Wohnung in der Hauptstadt nie aufgegeben habe, sei ihr Frankfurt ans Herz gewachsen, sagt sie. Und verspricht: „So schnell verabschiede ich mich hier nicht.“

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