Gesundheit : Mehrheit arbeitet auch im Krankheitsfall

Fast drei Viertel der Deutschen sind laut einer Umfrage in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal zur Arbeit gegangen, obwohl sie sich richtig krank gefühlt haben. Die meisten nannten Pflichtgefühl und Rücksicht auf Kollegen als Begründung.

Gütersloh71 Prozent der Deutschen sind einer Umfrage zufolge in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal zur Arbeit gegangen, obwohl sie sich richtig krank gefühlt haben. 46 Prozent machten sich sogar zweimal oder öfter trotz Krankheitssymptomen auf den Weg zum Job, ergab die aktuelle Bevölkerungsbefragung des Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung, die in Gütersloh vorgestellt wurde. Gegen den Rat ihres Arztes gingen demnach 30 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal der Arbeit nach, etwa die Hälfte davon sogar mehrmals.

Als Beweggründe für das Arbeiten trotz gesundheitlicher Beschwerden wurden vor allem Pflichtgefühl (53 Prozent) und Rücksicht auf Kollegen (46 Prozent) genannt. Jeweils rund ein Viertel der Befragten gab an, dass Angst vor beruflichen Nachteilen oder Arbeitsplatzverlust sie zum Arbeiten trotz Krankheit bewogen habe.

Fehlzeiten nicht mehr repräsentativ

 "Die Zahlen weisen darauf hin, dass die Fehlzeiten als alleinige Kennzahl für den Gesundheitszustand der Arbeitnehmer nicht mehr ausreichen", betonte der Projektmanager im Kompetenzzentrum Unternehmenskultur/Führung der Bertelsmann Stiftung, Andreas Heyer. "Vielmehr muss die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der anwesenden Belegschaft in den Betrieben stärker beachtet werden." Dass sich Mitarbeiter trotz Krankheit zur Arbeit schleppten, liege angesichts von Produktivitätseinbußen und Ansteckungsgefahr für Kollegen langfristig auch nicht im Interesse der Unternehmen.

Für ihren Gesundheitsmonitor befragt die Bertelsmann Stiftung zweimal jährlich einen repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung zu aktuellen Themen des deutschen Gesundheitswesens. Die aktuelle Erhebung basiert auf der Befragung von 1689 Menschen im März und April. (mit AFP)