Gesundheitssystem : Auch Intensivmediziner sollen Behandlungen priorisieren

Narkoseärzte fordern eine offene Diskussion darüber, welche Behandlungen in Zeiten knapper Kassen tatsächlich gemacht werden sollen. Damit bekommt Ärztepräsident Hoppe Schützenhilfe, der eine Prioritätenliste zur Festlegung von Behandlungen wünscht.

BerlinMedizinisch sei vieles möglich sagte Joachim Boldt, Präsident des Deutschen Anästhesie-Congresses, der noch bis zum Dienstag in Leipzig tagt. "Politiker lassen uns allein mit den Fragen, jeder Patient hat das Recht auf eine gute medizinische Versorgung", beklagte Boldt. Wirtschaftliche
Zwänge müssten angesprochen werden. "Ökonomisches Denken heißt nicht automatisch unethisches Denken", betonte er.

In einem Gespräch mit der Onlineausgabe der Frankfurter Rundschau hatte Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe für eine Rangfolge für die Behandlung von Krankheiten plädiert. Menschen, die in höchster Not seien und starke Schmerzen hätten, sollten zuerst behandelt werden. "Krankheiten, die durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden können, würden an unterste Stelle der Prioritätenliste gesetzt", sagte Hoppe.

Wellness und "Wunschmedizin" sollten von den Krankenkassen nicht mehr erstattet werden. Der Präsident der Bundesärztekammer begründete seine Vorschläge mit den langfristig finanziellen Engpässen für die medizinische Versorgung.

Hoppe stieß mit seinem Behandlungsvorschlägen im Gesundheitssystem stark auf Kritik. CDU-Gesundheitspolitiker Hubert Hüppe lehnte die Vorschläge Hoppes ab und betonte, dass es keine Unterfinanzierung des deutschen Gesundheitswesens gäbe. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte Hoppes Vorstöße und sagte, dass diese auf einer falschen Diagnose basierten und zudem ethisch nicht haltbar seien.

Hoppe verteidigte seine Vorschläge und verwies dabei auf ähnliche Methoden in Großbritannien, skandinavischen Ländern sowie in Neuseeland, Australien und teilweise in den USA. Seiner Ansicht nach erfordere eine Zuteilung der finanziellen Mittel für die Ärzte auch eine Zuteilung der Ausgaben. (sh/sp/dpa)