Gesundheitsversorgung : Ärzte sind in Deutschland schlecht verteilt

Überversorgung auf der einen Seite, Mangel auf der anderen: Eine neue Studie belegt die ungleiche regionale Verteilung von Ärzten in Deutschland.

BonnIn Deutschland fehlt es insgesamt nicht an Ärzten, aber sie sind zum Nachteil von Patienten regional schlecht verteilt. Das zeigt der neue umfassende Ärzteatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido), der heute in Bonn veröffentlicht wurde. Danach gibt es erhebliche Differenzen bei der fachärztlichen und der hausärztlichen Versorgung - teilweise Überversorgung, auf der anderen Seite Mangel. Insbesondere in wenig attraktiven Gegenden müssten Anreize geschaffen werden, um frei werdende Hausarztpraxen wieder zu besetzen.

Bei den Facharztgruppen gibt es in vielen Regionen eine deutliche Überversorgung. Die weit überwiegende Zahl der Kreise und Städte ist deshalb für fachärztliche Neuzulassungen gesperrt. Dies gilt auch für die neuen Bundesländer. Vor allem Kreise in strukturell sehr attraktiven Gebieten sind nach der Studie mit den weitaus meisten Fachgruppen überversorgt. Eine Unterversorgung findet sich im fachärztlichen Bereich bei einigen Arztgruppen gar nicht, bei anderen nur vereinzelt.

Berlin über dem Soll

Die Situation ist in den Bundesländern unterschiedlich. Während in Berlin, Hamburg, Hessen und dem Saarland die Hausarztzahlen durchgängig über dem Soll liegen und vielfach sogar Überversorgung besteht, gibt es in einigen neuen Ländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt) mehrheitlich Planungskreise mit Versorgungsgraden zwischen 75 und 100 Prozent. Daneben gibt es Städte und Kreise, die mit Hausärzten überversorgt sind.

Das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VändG) sieht Regelungen zur Liberalisierung der vertragsärztlichen Tätigkeit vor. Dabei besteht laut Wido die Gefahr, dass es in bereits gut versorgten Regionen zu einer Ausweitung ärztlicher Tätigkeiten kommt. Das Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-WSG) sehe ab 2010 unterschiedliche ärztliche Vergütungen bei Über- und Unterversorgung vor, um Anreize für bedarfsgerechte Niederlassungen zu schaffen. Damit sei erstmals verankert, dass über die Honorierung der Ärzte finanzielle Anreize zum Abbau von Über- und Unterversorgung geschaffen werden. (mit dpa)