Der Tagesspiegel : Gewerkschaft befürchtet Aus für Bombardier in Hennigsdorf 2006 könnte das Bahntechnikwerk geschlossen werden.

Fast sicher ist der Abbau von 550 von noch 1950 Stellen im Frühjahr

Claus-Dieter Steyer

Hennigsdorf - Nach dem Blick in die Auftragsbücher des Schienenfahrzeugherstellers Bombardier in Hennigsdorf sehen Betriebsrat und IG Metall die Existenz des jetzt noch 1950 Beschäftigte zählenden Werkes in Gefahr. „2006 könnte das Unternehmen unter die Räder kommen und die Schließung beschlossen werden“, sagte der örtliche IG-Metall-Chef Philipp Becker am Donnerstag. „Die Auslastung der Kapazitäten sinkt dramatisch, weil vor allem die Deutsche Bahn als Kunde ausfällt“. Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Michael Wobst reichen die Aufträge im Jahre 2005 nur noch für 60 Prozent der Beschäftigten. Für 2006 gebe es erst für 15 Prozent eine Arbeit. Dabei seien bereits in diesem Jahr die Produktionskapazitäten um rund ein Drittel verringert worden. 550 Jobs gingen dadurch verloren.

„Nun befürchten wir den Abbau von weiteren 550 Arbeitsplätzen.“ Bis Ende April 2005 bestehe zwar noch Kündigungsschutz. „Aber danach rechne ich mit dem Schlimmsten“, sagte Betriebsratschef Wobst. Die Geschäftsleitung bestätigte den Rückgang an Bestellungen für Straßenbahnen, Reisezugwagen sowie S- und U-Bahnen. Es herrsche überall eine erhebliche Zurückhaltung, sagte der Unternehmenssprecher der Bombardier Transportation Hennigsdorf GmbH, Ulrich Bieger. „Aber eine Schließung des Werkes steht derzeit nicht zur Debatte. Wir klären die Lage bei Verhandlungen mit den Arbeitnehmern.“

Seit 1990 hat sich die Zahl der Beschäftigten im Hennigsdorfer Werk ständig verringert. Vor 14 Jahren arbeiteten hier noch 8500 Menschen, davon 5000 im Schienenfahrzeugbau. Mit der Übernahme durch die AEG 1995 sank diese Zahl auf 3200, wobei 800 für Berliner Monteure und Ingenieure reserviert waren, deren Werk die AEG zuvor geschlossen hatte. 2003 standen erstmals weniger als 2500 Namen auf den Gehaltslisten. Die letzte Elektro-Lok verließ 1998 die Hallen, vier Jahre später kam nach mehreren Pannen das Aus für die Neigezüge.

Derzeit montieren die Arbeiter noch bis März 2005 den „ICE 3“ sowie U-Bahnen für Berlin und Münster und Reisezugwagen für verschiedene Bahnunternehmen. „Wir hoffen auf Aufträge für Straßenbahnen aus Berlin und Potsdam sowie von der Berliner S-Bahn“, sagte Wobst. „Das würde uns helfen, eine Standortgarantie bis wenigstens 2010 zu erreichen. Für mindestens 1600 Produktionsarbeiter, Ingenieure und Verwaltungsangestellte wollen wir einen Kündigungsschutz durchsetzen.“ In vier oder fünf Jahren hofften die Beschäftigten auch wieder auf Bestellungen der Deutschen Bahn AG. IG-Metall-Vertreter Becker nannte es „beschämend“, dass seit 14 Jahren kein einziges Brandenburger Verkehrsunternehmen Straßenbahnen oder Züge in Hennigsdorf bestellt habe.

An einen Streik denkt die Belegschaft nicht. „Wir wissen, dass es in unserer Branche zu viele Kapazitäten gibt“, meinte IG-Metall-Mann Becker.

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