Gewerkschaft : Huber ist neuer IG-Metall-Chef

Die IG Metall hat die beiden Modernisierer Berthold Huber und Detlef Wetzel mit großer Mehrheit zu ihrem neuen Führungsduo gewählt. Huber bekam das beste Wahlergebnis seit 35 Jahren - vor drei Jahren hatte er eins der schlechtesten Ergebnisse bekommen.

Berthold Huber
Der neue IG-Metall-Chef Berthold Huber. -Foto: ddp

LeipzigDer neue Gewerkschaftschef und bisherige Zweite Vorsitzende Huber erhielt auf dem Gewerkschaftstag in Leipzig 92,6 Prozent der Stimmen. Anschließend wurde der bisherige nordrhein-westfälische Bezirksleiter Wetzel mit 87,4 Prozent zur neuen Nummer zwei gewählt. Der 57-jährige Huber tritt die Nachfolge von Jürgen Peters (63) an, der nach vier Jahren an der Spitze der größten deutschen Gewerkschaft auf eine abermalige Kandidatur verzichtet hatte. Gegenkandidaten gab es nicht.

Beim Gewerkschaftstag 2003 waren Peters und Huber mit nur 66,1 beziehungsweise 67,1 Prozent der Stimmen gewählt worden. Dies waren die schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte der Gewerkschaft. Das Beharren des damaligen Gewerkschafts-Vize Peters auf seinem Führungsanspruch nach einem verlorenen Streik in Ostdeutschland hatte die IG Metall in eine tiefe Krise gestürzt. Der Zweite Vorsitzende ist bei der Gewerkschaft traditionell der Nachfolger des Ersten.

Fans einer Flexibilisierung

Huber und Wetzel werden dem Lager der Reformer zugerechnet, Peters dem Lager der Traditionalisten. Diese lehnen zu viele Abweichungen vom Flächentarif ab, während die Modernisierer eine Flexibilisierung gutheißen. Huber ist der achte Vorsitzende der IG Metall. Er erzielte das beste Wahlergebnis eines neuen Vorsitzenden seit 35 Jahren - 1972 war Eugen Loderer mit 94,4 Prozent zum IG Metall-Chef gewählt worden. Huber kündigte an, seine ganze Kraft für "die Einmütigkeit und Geschlossenheit" der Gewerkschaft einzusetzen. Wetzel sagte: "Wenn wir die Stärken der IG Metall suchen, dann werden wir sie nur in den Betrieben finden." Der 54-Jährige hatte mit einer betriebsnahen Tarifpolitik den Mitgliederschwund in Nordrhein-Westfalen gestoppt.

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, gratulierte Huber. Nicht zuletzt dank seines Einsatzes sei "der Betrieb in den Mittelpunkt der tarifpolitischen Arbeit der IG Metall gerückt". Die Amtszeit von Peters würdigte Kannegiesser als "für die Tarifpartnerschaft in der Metall- und Elektroindustrie stabilisierend".

Gewerkschaft bestimmt Kurs für die nächsten Jahre

Peters wurde beim Gewerkschaftstag mit viel Applaus verabschiedet. "Ich habe die Arbeit gerne gemacht", sagte er in seiner Abschiedsrede. "Es war nicht immer alles leicht, und manches wurde auch nicht leicht gemacht. Dennoch habe ich keinen einzigen Tag zu bereuen." Der Alltag sei vom "geduldigen Bohren dicker Bretter bestimmt gewesen".

Der IG-Metall-Kongress der mit 2,3 Millionen Mitgliedern größten deutschen Gewerkschaft steht unter dem Motto "Zukunft braucht Gerechtigkeit". Die Delegierten werden bis Samstag die Marschrichtung der IG Metall in den kommenden vier Jahren festlegen. Am Mittwoch hält der neue Vorsitzende Huber eine Grundsatzrede. Am Donnerstag besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Gewerkschaftstag. (mit dpa)