Gewerkschaften : Führungswechsel bei der IG Metall

Er hat es geschafft: Berthold Huber wird den Chef der IG Metall, Jürgen Peters, im November ablösen. An seiner Seite steht künftig der neue Zweite Vorsitzende Detlef Wetzel. Mit diesem Führungsduo dürften von der Gewerkschaft demnächst andere Töne zu hören sein.

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Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, löst den Chef der Gewerkschaft, Jürgen Peters (l.) im November ab. -Foto: dpa

Frankfurt/MainForderungen à la Jürgen Peters nach "dem vollen Schluck aus der Pulle" sind für Berthold Huber nur eine der vielen unzeitgemäßen Parolen. Der künftige Chef der größten Gewerkschaft der Welt ist eher ein Mann der leiseren Töne, was ihn nicht weniger erfolgreich macht: Der gestoppte Mitgliederschwund, innovative Tarifkonzepte und die hohen Abschlüsse der jüngsten Zeit werden dem gewieften Tarifexperten zugeschrieben. Mit dem nordrhein-westfälischen Bezirksleiter Detlef Wetzel hat Huber zudem seinen Wunschpartner im Führungsduo.

Der ehemalige baden-württembergische Bezirksleiter Huber wurde schon im Frühjahr 2003 als Nachfolger für den zurückgetretenen Klaus Zwickel gehandelt, konnte sich aber damals nicht gegen Peters durchsetzen. Nach einer öffentlichen Schlammschlacht kam es im Vorstand zum Patt zwischen den beiden Lagern. Als Notlösung reihte sich Huber als Vize hinter Peters ein. Eine Vernunftehe, "keine Liebesheirat", hatte der heute 57-Jährige angesichts der verschiedenen Auffassungen schon damals klargestellt. Und tatsächlich trat das ungleiche Paar nur selten zusammen auf.

Huber - der Reformer und Vordenker

Im Gegensatz zu dem als Traditionalisten oder gar "Betonkopf" titulierten Peters gilt Huber, der es nach einer Ausbildung zum Werkzeugmacher noch mit einem Geschichts- und Philosophiestudium probierte, als Reformer und Vordenker, der auch vor Umwälzungen innerhalb der Gewerkschaft nicht zurückschreckt.

Und ein Umdenken ist nötig: Denn auf dringende Probleme wie die wachsende Zahl von Niedriglohn-Jobs, die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer oder die Qualifizierung junger Menschen hat die IG Metall noch keine Antwort parat. Zudem drohen einzelne Berufsgruppen wie Ingenieure oder IT-Techniker ihr Heil in einer eigenen Interessenvertretung ähnlich den Piloten zu suchen, sollte sich die IG Metall ihnen nicht öffnen.

Wetzel macht das Rennen als neuer Zweiter

Dass dem neuen IG-Metall-Chef mit dem 54-jährigen Wetzel künftig ein ebensolcher Pragmatiker zur Seite steht, dürfte die Arbeit erheblich erleichtern. Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter gilt als gradlinig, ideenreich und durchsetzungsstark. Mit dem Pilotabschluss im vergangenen Jahr hat er sich auch bundesweit einen Namen gemacht. Anfang November sollen die Delegierten auf dem Gewerkschaftstag in Leipzig über den Vorschlag des Vorstandes abstimmen.

Bemerkenswert ist, wie ruhig der Führungswechsel bei der IG Metall dieses Mal ablief. Offensichtlich war allen Beteiligten klar: Einen öffentlich ausgetragenen Machtkampf wie vor vier Jahren sollte es nicht wieder geben. Und so gilt selbst eine Kampfkandidatur gegen den designierten Vize Wetzel auf dem Gewerkschaftstag als unerwünscht. Denn von dem tiefen Riss, der damals durch die Gewerkschaft ging, hat sich die IG Metall gerade erst mühsam erholt. (mit AFP)