Gewerkschaftstag : IG-Metall kämpft für Rechte der Leiharbeiter

Gleiches Geld für Leiharbeit: IG-Metall Vizechef Detlef Wetzel kündigte auf dem Gewerkschaftstag in Leipzig den Kampf gegen "Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse" an. Dem "grenzenlosen Einsatz von Leiharbeit" soll Einhalt geboten werden.

Detlef Wetzel
Der neue Vizevorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel. -Foto: ddp

Leipzig Mit demonstrativem Selbstbewusstsein und Kampfgeist hat die IG Metall ihren einwöchigen Gewerkschaftstag beendet. "Wir haben gezeigt, dass wir ein ernst zu nehmender und konfliktfähiger Akteur sind", sagte der neue IG-Metall-Vize Detlef Wetzel in seinem Schlusswort zu den gut 500 Delegierten. Der Kongress habe die Weichen so gestellt, dass die mit 2,3 Millionen Mitgliedern größte deutsche Gewerkschaft "mit Zuversicht und Selbstvertrauen" die vor ihr liegenden Aufgaben angehen könne. Dazu gehörten die bessere Entlohnung von Leiharbeitern und die Humanisierung der Arbeit.

"Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse darf es nicht geben", sagte der Vizechef. Das Prinzip "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" wolle die IG Metall in Hunderten von Betrieben durchsetzen, wie es in einem "Leipziger Signal" festgehalten ist. "Der scheinbar grenzenlose Einsatz von Leiharbeit, die Verdrängung regulärer Beschäftigung und Lohndumping durch und auf Kosten der Leiharbeiter ist ab sofort mit der IG Metall nicht mehr zu machen", heißt es in dem Aufruf.

IG Metall: "Gewerkschaft der Leiharbeiter"

Die Gewerkschaft werde in den kommenden Monaten in Entleihbetrieben tarifliche Vereinbarungen für eine gleiche Entlohnung von Leiharbeitern und Stammbelegschaften durchsetzen, kündigte Wetzel an. "Es geht nicht um fünf Cent mehr, sondern fünf Euro", machte der Zweite Vorsitzende klar. Den drohenden Konflikten werde die IG Metall nicht aus dem Weg gehen. Dies sei auch ein Signal an die Leiharbeiter: "Wir sind als IG Metall die Gewerkschaft der Leiharbeiter."

In seiner Abschlussrede sagte Wetzel: "Es wäre doch gelacht, wenn wir nicht in den nächsten zwölf Monaten 10.000 Leiharbeitnehmer organisieren." Gleichzeitig kündigte Wetzel eine "Offensive zur Humanisierung der Arbeit" an. Es sei ein Skandal, dass die Politik die Rente mit 67 beschließe und nichts dafür tue, damit die Menschen tatsächlich auch länger arbeiten könnten. "Wir werden uns weiter gegen die Rente mit 67 wehren und dabei helfen, dass die Menschen gesund in Rente gehen können", kündigte Wetzel an, der am Dienstag zum Zweiten Vorsitzenden gewählt worden war. Dazu seien eine Arbeitszeitverkürzung für ältere Beschäftigte und flexible Übergänge aus dem Erwerbsleben in die Rente notwendig.

Huber stößt Arbeitszeitdebatte an

Der neue Vorsitzende Berthold Huber, der in Leipzig die Nachfolge von IG-Metall-Chef Jürgen Peters antrat, hatte eine neue Arbeitszeitdebatte angestoßen und sich darin für differenzierte Lösungen ausgesprochen. Huber stellte klar, er stelle nicht die 35-Stunden-Woche in Frage. "Das Gegenteil ist der Fall: Ich möchte sie festigen, indem wir die effektive Arbeitszeit, die heute fast 40 Stunden beträgt, wieder auf die tarifliche von 35 Stunden in der Woche zurückführen."

Der am Sonntag eröffnete Gewerkschaftstag stand unter dem Motto "Zukunft braucht Gerechtigkeit". 500 Delegierte diskutierten über mehr als 500 Anträge zur Arbeitszeit- und Tarifpolitik, zur Mitgliedergewinnung sowie zur Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Zur Mitgliedergewinnung sagte Wetzel: "Wir müssen auf die Menschen zugehen, damit sie zu uns kommen und bei uns bleiben." Entscheidend werde sein, dass die Gewerkschaft Themen aufgreife, die junge Menschen bewegen.

IG Metall findet Weg aus der Krise

Die IG Metall war 2003 nach dem verlorenen Streik in Ostdeutschland und einem beispiellosen Machtkampf um die Führung in eine tiefe Krise geraten, die zu einem dramatischen Mitgliederschwund führte. In diesem Jahr kann sie möglicherweise den Abwärtstrend erstmals seit 15 Jahren stoppen. (mit dpa)