Der Tagesspiegel : Gib Gummi

Auf dem Lausitzring können sich Hobbypiloten in Rennwagen erproben

Claus-Dieter Steyer

Klettwitz - Der Blick in den linken Rückspiegel verheißt nichts Gutes. Setzt da etwa das Heck zum Überholen an? Doch in diesem Moment erübrigen sich alle Gedanken. Der Rennwagen dreht sich um die eigene Achse. Die hektischen Lenkversuche verpuffen. Jetzt hilft nur noch eines: „Sofort bremsen!“ So wie es der Instrukteur in der theoretischen Einweisung erklärt hatte. Das ruckartige Bremsen hilft tatsächlich. Mit abgewürgtem Motor und heftigem Rütteln kommt der Flitzer zum Stehen. Die erste Lektion beim „Fahren für jedermann“ im Rennwagen auf dem Eurospeedway Lausitz hatte Erfolg.

Im Laufe des Vormittags sollte es nicht die letzte gewesen sein, die – mal mehr mal weniger – Beachtung findet. Zu viel Gas, zu spätes Bremsen, abruptes Lenken – diese und andere Rennfahrersünden begehen die Hobby-Piloten. Aber schließlich will so ein 120-PS-starkes und lediglich 420 Kilogramm schweres Auto erst einmal beherrscht sein. Nach der vierten Runde auf dem Grand-Prix-Kurs pegelt sich die Geschwindigkeit bei vielen der 40 Teilnehmer aber schon bei Tempo 160 ein.

„Wir wollen den Menschen Spaß bieten“, sagt Gerd Schwenk, Inhaber der in Baden-Württemberg beheimateten Firma „TopSpeedRacing“. Sie sollen sich den Wunsch erfüllen, einmal in einem echten Rennwagen richtig Gas zu geben. „Vielleicht sind einige hier gelernte Fertigkeiten auch im normalen Straßenverkehr hilfreich“, meint der Geschäftsmann, der es immerhin zum Amateur-Rennfahrer im Porsche-Cup gebracht hatte. „Aber wir betreiben hier kein Verkehrssicherheitstraining.“

Die vorwiegend männlichen Interessenten können sich schon kurz nach der Begrüßung in der Boxengasse wie richtige Rennfahrer fühlen. Sie erhalten knallrote Overalls, eine Sturmmaske, Handschuhe, einen Schutzhelm und Stoffschuhe mit einer dünnen Sohle. Nach der Instruktion in der Theorie – mit dem nachdrücklichen Hinweis aufs Bremsen – werden die Autos in Augenschein genommen. Es handelt sich um Fahrzeuge der bis zum Jahre 2004 ausgetragenen Nachwuchs-Rennserie „Formel König“, in der einst auch Weltmeister Michael Schuhmacher seine Karriere begann. Sie ähneln den großen Rennwagen und beschleunigen immerhin von Null auf Tempo 100 in 3,5 Sekunden.

In der Boxengasse und auf der Startaufstellung herrscht anschließend reger Betrieb. Die meisten Teilnehmer haben den Tag auf dem Lausitzring entweder als Geschenk von der Freundin, der Ehefrau oder dem Chef erhalten. Dieses Ereignis muss natürlich im Foto festgehalten werden. Und so posieren die Fahrer stolz mit und ohne Helm.

Nach dem Start der lauten Motoren gehört die Piste dann ganz allein den gut gelaunten Menschen hinterm kleinen Lenkrad. Ein Instrukteur fährt vornweg und nimmt vier bis sechs Autos „ins Schlepptau“. Sie sollen erst einmal die Strecke kennenlernen. Danach kann jeder allein mehr oder weniger geschickt auf Gas, Bremse und Kupplung treten. Und von dem Angebot profitiert auch ein Unternehmen in der Region – die Gesellschaft des Lausitzrings kann sich an den Fahrtagen über die Pachtzahlungen freuen. Claus-Dieter Steyer

Auskünfte zu Terminen unter Telefon 0180 / 54 54 900 und im Internet unter www.topspeed-racing.de. Ein dreistündiger Schnupperkurs mit zweimal 20 Minuten Fahrspaß kostet pro Person 495 Euro, fünf Stunden mit vier Mal 20 Minuten Lausitzring kosten 895 Euro. Für dieses Jahr gibt es nur noch wenige freie Termine.

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