Der Tagesspiegel : Gib Gummi!

Ein neuer Sport im Städtevergleich: Stiefelwerfen. Berlin gewann gegen Brandenburg

Christopher Buhl

Berlin. Keuchend erreicht Sandra ihr Ziel. „Komme ich noch auf die Liste?“, fragt sie die Leute in den roten Jacken, völlig aus der Puste. Gerade noch rechtzeitig ist sie angekommen, sie wird als 50ste auf die Liste gesetzt, sie kann teilnehmen – beim Gummistiefelweitwurf.

Andere Leute sitzen an Tagen wie dem gestrigen lieber im warmen Wohnzimmer und trinken Tee. Und falls sie doch einmal das Haus verlassen, dann ziehen sie sich warme Stiefel an. Nicht so die Fünfzig, die sich gestern auf dem Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend in der Chausseestraße versammelten, um dort Eigenartiges zu treiben: Sie warfen mit Gummistiefeln. Auf Initiative von Radio „Fritz“ waren sie gekommen, mit dem Ziel, die schwarzen Treter so weit wie möglich zu schleudern – im Vergleich mit ebenfalls 50 Teilnehmern in den vier Brandenburger Städten Cottbus, Schwedt, Frankfurt (Oder), Brandenburg/Havel. Es ist die erste Städtemeisterschaft im Gummistiefelweitwurf überhaupt, Deutschlandpremiere. Belohnung für die Sieger: Eintrittskarten für ein exklusives Radiokonzert mit den Beatsteaks am Abend in Potsdam.

Dass Anna an dem Wettbewerb teilnimmt, verwundert niemanden: Sie ist die Mitbegründerin des Vereins „Gib Gummi 03“, den es seit November vergangenen Jahres gibt. Es ist der erste deutsche Verein für Gummistiefelweitwurf überhaupt, mittlerweile gibt es drei. Berlins Verein hat die wohl prominentesten Gründungsmitglieder: Die Sat.1-Moderatoren Olli Welke und Lou Richter. Die Fußballberichterstattung sei ihnen irgendwann zu langweilig geworden, erzählt Anna, deshalb hätten sie sich mal etwas ganz neues ausgedacht. Mittlerweile sind auch die ersten Deutschen Meisterschaften in Planung, außerdem soll auch an der Weltmeisterschaft in Estland im Juli teilgenommen werden. Der Bus dorthin ist bereits bestellt, es fehlen nur noch die Insassen – und die sollen bei der Deutschen Meisterschaft ermittelt werden, für die allerdings noch kein Termin steht.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, meint Anna: „Die Finnen sind uns eine ganze Ecke voraus, schließlich wurde dort der Sport erfunden.“ Ein Finne hat auch den bisherigen Einzelwurf-Weitenrekord von 65 Metern aufgestellt.

Dass an diesem Nachmittag das gleiche Stiefelfabrikat benutzt wird, das auch dem Finnen zu seinem großen Wurf verholfen hat, nutzt den Berlinern aber nichts, es wird kein neuer Weltrekord aufgestellt. Die größte Weite erzielt ein Brandenburger mit 31 Metern. Mit Sprechchören und Glühwein halten sich die Teilnehmer warm. Am Ende werden alle 50 Würfe addiert, zusammen genommen haben die Berliner trotz eisigen Winds und Schneeregen den Stiefel über einen Kilometer weit geworfen: Genau 1140,60 Meter lautet die Summe, nachdem der letzte Stiefel im Matsch stecken geblieben ist. Ein kurzes Abwarten, dann kommen auch die Ergebnisse aus den anderen Städten, und der Sieg steht fest. Cottbus, der Zweitplatzierte hat nur 1063,15 Meter erreicht.

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