Glashof des Jüdischen Museums : Ein Traum von einer Laubhütte

Heute Abend feiern Politik und Prominenz die Eröffnung des neuen Glashofes im Jüdischen Museum Berlin. Mit der Fertigstellung der luftigen Konstruktion findet der spektakuläre Libeskind-Bau endlich seine Vollendung.

BerlinDer Neubau des Glashofes im Jüdischen Museum Berlin ist nach Ansicht des Architekten Daniel Libeskind ein Symbol für Optimismus und Zukunft. Für Museumsdirektor Michael Blumenthal geht mit der Einweihung der Hofüberdachung ein Traum in Erfüllung. Der neue Glashof soll am Abend mit zahlreichen prominenten Gästen eröffnet werden. Erwartet werden neben Architekt und Museumsdirektor unter anderen Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Künstlerischer Höhepunkt der Eröffnung ist ein Konzert von Elena Bashkirova mit dem Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble.

Der Neubau kostete rund acht Millionen Euro. Zwei Drittel der Summe wurden durch Spenden aufgebracht, 2,5 Millionen Euro gab es vom Bund. Die gläserne Überdachung ist nach Angaben des US-amerikanischen Stararchitekten Libeskinds an die jüdische Sukkah (hebräisch für Laubhütte) angelehnt. Das Dach und die Front des Neubaus sind komplett verglast. Getragen wird die Konstruktion an jeder Ecke des 670 Quadratmeter großen Hofes von freistehenden Säulenbündeln, die sich zur Decke hinauf schlängeln wie Baumstämme. Der Architekt greift damit das Motiv des Laubhüttenfestes (Sukkot) auf, mit dem an den Auszug der Juden aus Ägypten erinnert wird.

"Aufregend und nutzbar"

Blumenthal hatte sich nach eigenen Worten "etwas Besonderes" für den Neubau des Jüdischen Museums gewünscht. Es sollte ein Raum entstehen, der zugleich vielseitig sowie "aufregend und nutzbar" sein sollte. Heute ist Blumenthal "stolz auf die brillante, geniale Lösung" des Architekten. Der Neubau biete neben der architektonischen Eigenwilligkeit auch einiges an "technischen Innovationen" und "neuen Errungenschaften", unterstrich der Architekt. Die Bereiche Licht, Akustik und Luftzirkulation seien bis ins Detail bedacht worden. Trotz der 340 Tonnen Stahl, die verbaut wurden, präsentiere der Glashof ein dynamisches Museum.

Für Libeskind war es wichtig, dass mit dem Neubau des Glashofes "etwas Lebendiges" entsteht. Die Konstruktion mit den "Baumstämmen" als tragenden Säulen und der verästelten "Laubkrone" bedient sich natürlicher Formen. Berlin sei eine offene Stadt, die interessiert ist an der Zukunft, erläuterte Libeskind. Und das Jüdische Museum sei im selben Maße an der Zukunft interessiert. Beide, Museum und Stadt, setzten sich aber auch mit der Vergangenheit auseinander. Für die Idee zum Glashof hat Libeskind eigenen Worten nach nicht lange gebraucht. "Ich habe nicht groß darüber nachgedacht, wie ich den Hof gestalten will. Die Idee der Sukkah war einfach da", erinnerte er sich.

Mit dem neuen Glashof ist laut Blumenthal ein neuer Raum entstanden, um dem enormen Besucherandrang des Museums gerecht zu werden. Seit der Eröffnung vor sechs Jahren hat das Haus eigenen Angaben zufolge mehr als vier Millionen Besucher empfangen. Damit sei es an seine Grenzen gestoßen, erläuterte Blumenthal. Der Glashof soll auch für Veranstaltungen, wie Konzerte und Lesungen genutzt werden. Im Oktober feiert ein Sohn des Architekten dort seine Hochzeit. Am Samstag und Sonntag stehen den Besuchern bei der Publikumseröffnung des Neubaus alle Ausstellungen und Führungen bei freiem Eintritt offen. (mit ddp)